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De Chorographia

Original Text

Liber III

[31] super Albim Codanus ingens sinus magnis parvisque insulis refer­tus est. hac re mare quod gremio litorum accipitur nusquam late patet nec usquam mari simile, verum aquis passim interfluentibus ac saepe transgressis vagum atque diffusum facie amnium spargitur; qua litora attingit, ripis contentum insularum non longe distantibus et ubique paene tantundem, it angustum et par freto, curvansque se subinde longo supercilio inflexum est.

[32] in eo sunt Cimbri et Teutoni, ultra ultimi Germaniae Hermiones.

(...)

[54] triginta sunt Orcades angustis inter se diductae spatiis. septem Haemodae contra Germaniam vectae in illo sinu quem Codanum diximus; ex iis Scandinavia, quam adhuc Teu­toni tenent, ut fecunditate alias ita magnitudine antestat.

[55] quae Sarmatis adversa sunt ob alternos accessus recursusque pe­lagi, et quod spatia quis distant modo operiuntur undis modo nuda sunt, alias insulae videntur alias una et continens terra.

[56] in his esse Oeonas, qui ovis avium palustrium et avenis tan­tum alantur, esse equinis pedibus Hippopodas et Panotios, quibus magnae aures et ad ambiendum corpus omne patulae - nudis alio­quin - pro veste sint, praeterquam quod fabulis traditur, apud auctores etiam, quos sequi non pigeat, invenio.

[57] Thyle Belcarum litori apposita est, Grais et no­stris celebrata carminibus. in ea, quod ibi sol longe occasurus exurgit, breves utique noctes sunt, sed per hiemem sicut aliubi obscurae, aestate lucidae, quod per id tempus iam se altius evehens, quamquam ipse non cernatur, vicino tamen splendore proxima illu­strat, per solstitium vero nullae, quod turn iam manifestior non fulgo­re modo sed sui quoque partem maximam ostentat.

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So etwa soll sich Pomponius Mela die Welt vorgestellt haben.
© Dr. Konrad Miller; Quelle: Mappae Mundi Bd. Vi. "Rekonstruierte Karten"

German

Translated by Kai Brodersen
 

3. Buch

[31] Oberhalb des Albis (der Elbe) liegt der riesige Codanus-Golf (Ostsee), voll von großen und kleinen Inseln. Dadurch bildet das Meer, das im Schoß dieser Küsten aufgenommen wird, nirgends weite Flächen und gleicht da­her nirgends einem Meer; da vielmehr seine Fluten vielerorts eindringen und häufig sogar (aufs Land) hinübertreten, erscheint es regellos und weitschweifig, eher wie Ströme zerlegt. Wo es an Küsten stößt, wird es durch die Gestade von Inseln, die nicht weit entfernt überall fast im glei­chen Abstand liegen, eingeengt und einem Meeresarm gleich; danach be­schreibt es eine Krümmung und bildet eine langgeschweifte Einbuch­tung.

[32] Hier wohnen die Kimbern und Teutonen, jenseits von jenen die Hermionen als die äußersten Stämme Germaniens.

(...)

[54] Dreißig Orkaden-Inseln (Orkneys) gibt es, untereinander nur durch schmale Zwischenräume getrennt. Sieben Hämodes-Inseln (Däne­mark) liegen gegenüber von Germanien in dem bereits erwähnten Codanus-Golf; von diesen übertrifft Scandinavia, das noch heute die Teuto­nen innehaben, die anderen an Fruchtbarkeit und ebenso an Größe.

[55] Die Inseln, die den Sarmaten gegenüber gelegen sind, erscheinen wegen des wechselnden Zu- und Abflusses der See und weil die Zwi­schenräume, durch die sie voneinander entfernt sind, bald von den Fluten bedeckt werden, bald von ihnen frei sind, einmal als Inseln, ein andermal als ein einziges festes Land (Wattenmeer).

[56] Auf ihnen gibt es die Öonen (griech.: oionos = Vogel), die sich nur von den Eiern der Sumpfvögel und von Strandhafer ernähren, außerdem die pferdefüßigen Hippopoden (griech.: Pferdefüßige) und die Panotier (griech.: Ganzohrige), denen - sonst sind sie nackt - ihre großen, zur Be­deckung des Körpers weit ausgebreiteten Ohren als Kleidung dienen - dies jedenfalls finde ich, abgesehen von fabulösen Darstellungen, auch bei Gewährsleuten, denen zu folgen keine Schande ist.

[57] Thyle liegt dem Gestade der Belcer vorgelagert, in griechischen und unseren Dichtungen gefeiert. Weil hier die Sonne aufgeht, um erst spät wieder unterzugehen, sind die Nächte besonders kurz, aber wäh­rend sie im Winter so dunkel wie anderswo sind, sind sie im Sommer hell, weil die Sonne sich in dieser Zeit bereits höher erhebt und, obwohl selbst noch nicht sichtbar, dennoch durch ihr nahes Licht die Umgebung er­leuchtet. Um die Zeit der Tagundnachtgleiche gibt es überhaupt keine Nächte, weil die Sonne dann bereits deutlicher sichtbar wird und nicht nur ihren Abglanz, sondern auch den größten Teil ihrer selbst zeigt.

By kind permission of WBG, Darmstadt

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So etwa soll sich Pomponius Mela die Welt vorgestellt haben.
© Dr. Konrad Miller; Quelle: Mappae Mundi Bd. Vi. "Rekonstruierte Karten"
  • Country in which the text is set
    Baltic Region
  • Featured locations
    Baltic Sea, Baltic countries, Denmark, North Sea, Orkneys
  • Impact

    Pomponius Mela's Chorographia is the oldest geographical work in Latin language we know. The Greek title means »Description of regions« as distiguished from geographia meaning »description of the earth« and topographia, »description of places«. Pomponius presents his subject in the order of three voyages along the coasts of the different countries. In his third book he is »visiting« the outer coasts of his world, the borders of the circular disk formed by the continents of Europe, Asia and Africa, surrounded by the ocean. It's here that he proceeds, after having passed Britannia and Ireland, from the Orkneys to the Codanus Sinus - the Baltic Sea - and »Scandinavia«, a designation which seems to be mentioned here for the very first time in literature. From there he travels on to a chain of mythic islands inhabited by fabulous creatures, the famous Thule being only one of them.

  • Balticness

    In Pomponius Mela's Chorographia, even more consequently than in the works of Olaus Magnus or Tacitus, the Baltic Sea and its surroundings are described as a region where a wild nature mingles with astounding and atrocious miracles.

    Reinhard Kaiser

  • Bibliographic information

    Original text and German translation: Pomponius Mela, Kreuzfahrt durch die Alte Welt. Zweisprachige Ausgabe von Kai Brodersen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1994. S. 152-55, 164-67. By kind permission of WBG, Darmstadt.

  • Translations
    Language Year Translator
    Danish 1822 Jakob Hornemann Bredsdorff (abr.)
    English 1585 Arthur Golding
    English 1998 F. E. Romer
    German 1994 Kai Brodersen
    Swedish 1856

    Carl Christoffer Leonard Leidesdorff (abr.)

  • Year of first publication
    43 / 44 AD
  • Place of first publication
    Rome (?)