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Die Ferne ist nah genug

Original Text

Sie eroberten die Stadt und gaben ihr einen neuen Namen, sie nannten sie Kaliningrad, und von diesem Tage an wurden die Brötchen schwarz und klitschig, und das Brot wurde naß und kostete achtzig bis hundert Rubel je Laib. Das waren die ersten Veränderungen, die sich mit dem neuen Namen der Stadt ergaben, nasses Brot und schwarze Brötchen; die Bevölkerung dachte jeden Tag an den neuen Namen der Stadt, sie mußte an ihn denken, denn wenn ein Laib Brot unters Messer kam, wenn eine Hand von oben auf das Brot drückte, lief an der offenen Seite Wasser heraus - und sie mußten Brot schneiden, jeden Tag. Aber es war nicht leicht, das nasse Brot zu besorgen, mit dem neuen Namen der Stadt war auch das Brot seltener geworden; es war rar und kostbar geworden, es forderte von dem, der es besitzen wollte, jeden Tag neue Überlegungen, neue Listen und neue Wachsamkeit, das Brot forderte plötzlich seine Abenteuer. Es war nicht mehr wie früher, als die Stadt Königsberg hieß und das Brot billig und weiß und gefahrlos zu be­kommen war, der neue Name der Stadt hatte das alles geändert. Er hatte auch die Augen der Menschen geändert, die Augen waren groß und gleichgültig geworden, ferne abwesende Blicke, hinter deren Scheu sich aber ein unentwegtes Lauern verbarg.

Auch in den Augen der Kinder lag ein Ausdruck dieses scheuen Lauerns, auch in den Augen der beiden Brüder Kurt und Heinz, die schon morgens zu einer Ausfallstraße hinausgegangen waren, barfuß, nur mit kurzer Manchesterhose und Hemd bekleidet, der eine vier­zehn, der andere neun Jahre alt. Sie durften nicht betteln, das war nur den Blinden erlaubt, und Geld besaßen sie auch nicht. Geld besaßen kaum die russischen Zivilisten, und so gingen sie zu einer Ausfallstraße hinaus, wo es die schwarzen Märkte gab. Sie setzten sich in einen Graben und warteten. Sie beobachteten schweigend das nervöse Ge­dränge und dachten an ihre Mutter, die sie hinausgeschickt hatte, und an ihren Plan, der ihnen zu warten befahl. Sie warteten auf einen sowjetischen Milizsoldaten, bei dessen Erscheinen stets eine panische Flucht einsetzte, die Leute liefen mit ihren Körben und Kästen und Bündeln nach allen Seiten davon, stolpernd und fallend, und manch­mal verlor dann ein Flüchtender schwarze, klitschige Roggenbrötchen aus einem Korb oder einige Kartoffeln oder womöglich gar ein Stück Räucherspeck. Ihr Plan befahl ihnen, auf das Erscheinen des Milizsoldaten zu warten, aber ein dünner Schnürregen ging nieder, und dies­mal schien der Milizsoldat etwas anderes vorzuhaben. Er kam nicht. Und Kurt stand von dem alten Eimer auf, auf dem er gesessen hatte, und sagte: »Wir können lange warten, Heinzi. Ich glaube, es hat keinen Zweck. Heute kommt er nicht.«

»Wir können es ja bei den Tonnen versuchen«, meinte der Kleine. »Wir können es dort gut noch mal versuchen. Manchmal läßt man etwas liegen, und wenn wir es jetzt finden, ist es gut. Was meinst du, sollen wir zu den Tonnen gehen?«

»Nein«, sagte Kurt, »es hat keinen Zweck. Beide brauchen wir nicht dahin. Du kannst allein zu den Tonnen gehen, Heinzi, und wenn du etwas findest, bringst du es gleich nach Hause.«

»Warum können wir nicht zusammen gehen«, fragte der Kleine, »wo willst du denn hin?«

»Ich geh zum Bahnhof«, sagte Kurt, »bei den Tonnen sind mir zu viele. Komm, wir wollen jetzt gehen.«

Und sie gingen schweigend die Straße zurück, und der Kleine trug eine verrostete Luftpumpe in der Hand und stieß sie bei jedem Schritt gegen das nasse Pflaster; ein helles, metallisches Klicken begleitete sie unter dem tief hängenden Himmel, und sie gingen durch tote Straßen und kletterten über Bettgestelle und verkohltes Balkenwerk, und an einer Kreuzung verabschiedeten sie sich. Heinzi ging zu den Tonnen hinab, und sein Bruder schlug den Weg zum Bahnhof ein; es regnete, aber der Regen war warm.

Er zog sich am Gras die Böschung des Bahndammes hinauf, er ging langsam und geduckt zwischen den Schienen weiter; er wußte, daß er nur so den Bahnsteig erreichen konnte, denn zur Straße hin war alles von der Miliz abgesperrt. Er sah die Milizsoldaten am Rinnstein der Straße sitzen, große breitschultrige Männer in gefetteten Stiefeln und mit lose baumelnden Maschinenpistolen vor der Brust, und der Junge legte sich zwischen die Schienen, wenn sie herübersahen, und preßte sein Gesicht gegen die nassen Schottersteine. Er gelangte ungesehen bis zum Stellwerk, er hatte die gefährlichste Strecke hinter sich und beob­achtete den Bahnsteig. Da spürte er, wie sich eine Hand auf seine Schulter legte und wie jemand hinter ihm lachte. Er kannte das La­chen, er wußte sofort, daß er sich nicht in Gefahr befand, und als er sich langsam umwandte, erkannte er Fips. Fips war etwas älter als er, er trug Schuhe und eine grüne Joppe, und sein Haar war blond und verfilzt und naß vom Regen, und er sagte lachend: »Tag, Kurtchen, so sieht man sich wieder. Was machst du hier?«

»Das siehst du doch«, sagte Kurt. »Ich dachte, hier wäre etwas zu haben.«

»Das ist mein Revier«, sagte Fips. »Hier bin ich zu Hause, hier kenn' ich jeden Winkel, Jungchen. Aber ich sag' dir, hier ist nichts zu ma­chen. Da - paß auf, der Mongole hat uns gesehen. Wenn sie uns jagen sollten, müssen wir nach hinten, zu den alten Lokomotiven. Der Mon­gole ist gutmütig, ich kenne ihn, aber man kann nie wissen.« Sie sahen aufmerksam zum Bahnsteig hinüber, und als der mongolische Soldat sich umwandte und zurückging, sagte Fips: »Nein, Jungchen, hier ist nichts zu machen. Auf dem Bahnhof wirst du kein Glück haben. Es ist schlecht geworden in der letzten Zeit. Zu viele Aufpasser. Aber ich weiß eine Möglichkeit, Kurtchen. Ich weiß etwas, worüber du nur staunen wirst. So etwas hast du noch nicht erlebt.«

»Was meinst du?«

»Es kommt gleich ein Zug«, sagte Fips.

»Wir können ja vorher verschwinden.«

»Nein«, sagte Fips, »eben nicht. Wir warten auf den Zug. Ich warte auf ihn, und du auch. Du sollst doch etwas zu essen besorgen, Jung­chen, nicht? Deine Alte hat dich doch bestimmt weggeschickt, damit du was zu essen besorgst. Und ich weiß eine Möglichkeit.«

»Ich breche nirgendwo ein«, sagte Kurt, »wenn du auf den Zug wartest, um in den Verpflegungswagen einzubrechen — ich mache das nicht mit, Fips. Wir kommen nicht weit.«

»Davon hat niemand etwas gesagt. Von Einbrechen ist überhaupt nicht die Rede gewesen. Die Züge haben keine Verpflegungswagen mehr, und außerdem war' das gefährlich.«

»Was meinst du denn?«

»Etwas anderes.«

»Was denn?«

»Ich weiß, Jungchen, wo es Eier gibt, wo es Brot gibt und Butter und Schinken und alles, was du haben willst. Aber dazu müssen wir ein Stück mit dem Zug fahren.«

»Aber wir haben doch keine Fahrkarte.«

»Nein«, sagte Fips, »wir haben keine Fahrkarte. Aber ich sage dir, von den Russen, die mit diesem Zug fahren, hat auch nicht jeder eine Fahrkarte. Und wir machen's genau so. Und wenn wir ein Stück gefahren sind, haben wir alles, was wir brauchen, und du kannst es deiner Alten nach Hause bringen.«

»Warst du denn schon da, wo es all das gibt?«

»Nein«, sagte Fips. »Nein. Ich war noch nicht da. Aber ein Freund von mir war da, und er ist mit vollem Rucksack nach Hause gekom­men.«

»Ohne Geld?«

»Ohne Geld. Mit Geld kann's jeder.«

»Wie hat er denn all das Zeug bekommen?«

»Gebettelt, Jungchen, langsam und anständig zusammengebettelt.«

»Das ist doch verboten«, sagte Kurt.

»Natürlich«, sagte Fips, »ist es verboten. Aber nur hier, Jungchen. Hier darf man sich nicht dabei fassen lassen. Dort, wo wir hinwollen, ist das Betteln erlaubt. In Litauen darf man betteln.«

»Litauen?« fragte Kurt.

»Ja«, sagte Fips, »Litauen. Du hast richtig gehört.«

»Aber das ist doch weit. Das ist doch ziemlich weit entfernt von hier, da können wir bis Mittag doch gar nicht zurück sein, Fips.«

»Mit dem Zug ist es nicht so schlimm. Mit dem Zug könnten wir bald zurück sein.«

»Es geht nicht«, sagte Kurt. »Ich kann auf keinen Fall mitfahren. Ich muß hierbleiben, Fips.«

»Warum denn?«

»Wegen meiner Mutter. Sie ist krank. Sie kann allein nichts machen, und Heinzi ist noch zu klein. Deswegen muß ich hierbleiben, Fips.«

»Nein«, sagte Fips. »Gerade darum mußt du mitkommen, Jungchen. Gerade weil deine Alte krank ist, mußt du mitkommen. Was meinst du, wie schnell sie wieder gesund wird, wenn du ihr die richtigen Sachen nach Hause bringst.«

»Aber sie weiß dann nicht, daß ich weg bin. Ich müßte erst einmal nach Hause. Ich müßte ihr vorher Bescheid sagen.«

»Das geht nicht mehr«, sagte Fips, »dazu haben wir keine Zeit, der Zug fährt gleich ab, und der nächste ist erst morgen abend. Und mor­gen abend können wir längst zurück sein. Paß auf, da kommt der Zug!«

Sie liefen um das Stellwerk herum und sahen dem Zug entgegen, sie standen sprungbereit da, auch Kurtchen, den der plötzliche Sog der Verheißung erfaßt hatte; sie sahen abschätzend den Zug heranrollen, ein gleichgültiges, schweres Tier, das sie nach Litauen bringen sollte, in ein Land, das sie nie gesehen, von dem sie keine Vorstellung hatten. Und als die schwarze Lokomotive vorbei war, drückten sie sich fast gleichzeitig ab, erreichten das Trittbrett, balancierten über die Puffer und kletterten auf das Dach eines Waggons. Es war ein gewölbtes, mit Teerpappe überzogenes Dach, und sie setzten sich in die Mitte; sie waren nicht die einzigen, die sich auf dem Dach befanden, außer ihnen hockte noch ein altes Ehepaar da, das auf unerklärliche Weise hinauf­gelangt war, und hinter ihnen lag ein sowjetischer Major, der seinen Körper flach an die Teerpappe preßte, um von der Miliz nicht entdeckt zu werden. Der Regen traf ihre Gesichter, und sie setzten sich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, schlugen den Kragen hoch und verwahrten die Hände in den Taschen. Die beiden Alten saßen starr und schwei­gend wie Vögel nebeneinander, reglos, als ob eine geheime Erwartung, ein unausgesprochenes Einverständnis sie zusammenhielte und ihre Wünsche lenkte. Auf den Dächern anderer Waggons saßen ebenfalls Menschen, meistens Kinder; sie winkten hinüber und herüber, wenn sie sich wiedererkannten, und riefen sich etwas zu, das im Fahrtwind unterging.

Und dann hielt der Zug in Wehlau, und als sie vom Dach herabsa­hen, erkannten sie einen Postenring, mit dem der Zug sorgfältig um­geben war, und einige Milizsoldaten kletterten auf die Wagendächer und stießen die Leute hinab. Fips wartete, bis auf dem Bahnsteig ein Gedränge unter den Verhafteten entstand, dann gab er Kurt ein Zei­chen, und beide sprangen auf ein Nebengleis und liefen zu einem Zaun und warfen sich auf die Erde. Sie blieben nicht lange liegen, ihre Sinne waren geschärft für das Abenteuer, und nach einer Weile gaben sie ihr Versteck auf und schoben sich durch Brennesseln und Löwenzahn am Zaun entlang, sie krochen vorsichtig weiter, bis sie in Höhe einer höl­zernen Behelfsbrücke waren, die der Zug passieren und auf der er seine Geschwindigkeit bremsen mußte, und sie kauerten sich vor einem Bretterstapel nieder und beobachteten ruhig den Zug. Sie sahen, daß die Miliz einige Leute mit Gewalt von den Dächern herunterholte, und daß man sie zusammentrieb und abführte, aber sie sahen auch, daß es nur sehr wenige waren, die die Miliz bekommen hatte; viele, die sie bei der Abfahrt auf den Dächern entdeckt hatten, waren auf geheimnis­volle Weise verschwunden. Sie hatten sich verborgen wie sie, und als es weiterging, als sie dem Zug entgegensprangen und über die Puffer auf das Wagendach kletterten, sahen sie viele wieder; einige fehlten, aber viele sahen sie wieder. Auch die beiden Alten saßen schon oben, sie hockten still nebeneinander, als wäre nichts geschehen. Der Zug fuhr nach Osten; er hielt nur auf wenigen Stationen, aber wo er hielt, dau­erte der Aufenthalt längere Zeit; überall wo er hielt, wurde er von einer Anzahl Milizsoldaten erwartet, die auf die Dächer kletterten und die Wagen oben und unten absuchten, und jedesmal blieben einige auf der Strecke, sie blieben hängen in dem immer enger werdenden Netz der Kontrollen.

Aber die Jungen kamen durch, und die Alten und der sowjetische Major auf ihrem Dach kamen auch durch, sie saßen auf der Teerpap­pe, und dem Zug folgte von Westen die Dunkelheit. Als es dunkel wurde, froren sie auf dem Dach, der Hunger marterte sie, denn sie hatten den ganzen Tag nichts gegessen, aber niemand war da, der etwas mit ihnen geteilt hätte. Sie kniffen sich in den Arm, um wach zu bleiben, der Rhythmus, der Hunger und die Erschöpfung hatten sie müde gemacht, aber niemand konnte es sich leisten, einzuschlafen. Wer einschlief, war gerichtet. Das sahen sie an dem russischen Offizier; sie sahen, wie er gegen die Müdigkeit ankämpfte, wie er sich fortwäh­rend drehte und einen Halt zu finden versuchte, und dann wurde die Silhouette seines schlaffen Körpers kleiner und kleiner, unmerklich, so daß sie nicht ahnten, was sich vollziehen würde. Und plötzlich neigte sich der Mann zur Seite, und als sie aufspringen wollten, um ihm beizustehen, war es schon zu spät: er kippte über das Wagendach, jäh, mit erschreckender Lautlosigkeit, und die Zurückgebliebenen hörten nicht einmal einen Schrei. Fips zog seine grüne Joppe aus; sie war schwer geworden vom Regen, aber sie hielt gut den Wind ab, und sie rückten nah aneinander heran und bedeckten mit der Joppe ihre Bei­ne. Sie dachten beide an Litauen, und Fips sagte: »Wart' nur, Jungchen, wenn wir da ankommen, wird es anders aussehen. Wenn wir erst in Litauen sind, wird die Sonne scheinen, und es wird warm sein, und wir werden alles haben, was wir zu unserem Glück brauchen. Morgen schon, Jungchen, morgen, wenn wir in Litauen ankommen ...«

Litauen: Ein träger, geduldiger, schwerer Strom: der Njemen, Wie­sen und alte Wälder, endlose Äcker. Litauen: Breite, erhitzte Gesichter, lachend, Heumähen, Schnaps und Schinken, bärenhafte Gutmütigkeit; der Großvater am Ofen, Fleiß und Geiz, Export von Eiern, Butter und Geflügel ... Litauen: Niemand weiß, woher seine Einwohner gekommen sind, niemand, wann sie sich an den Unterläufen des Njemen und der Dwina niedergelassen haben; ihre Sprache ist den Gelehrten ein Rätsel... Litauen: Tragödie eines Randstaates ...

... Bei Sonnenaufgang hielt der Zug in Kowno, und die Jungen glitten vom Teerdach herab und schlichen an der Rückseite des Zuges zum Ausgang; sie erreichten ihn ungefährdet und gingen hinaus auf den Bahnhofsplatz. Es war ein großer, schlecht gepflasterter Bahnhofs­platz, aber er hatte seine Grünflächen, und vor ihnen standen niedrige getünchte Bänke, auf denen sowjetische Soldaten saßen und rauchten oder schliefen. Alles war still und friedlich, die Sonne schien und leckte sie trocken und wärmte sie. Langsam schlenderten sie über den Platz, und dann wurden sie auf eine Gruppe von Menschen aufmerksam, die sich um etwas, das am Boden liegen mußte, versammelt hatte, und sie gingen näher heran und sahen die alte Frau auf der Erde, die mit ihnen auf einem Dach gesessen hatte; der Hunger und die Erschöpfung hat­ten sie besiegt, sie war zusammengebrochen, kurz vor dem Ziel hatte sie es aufgeben müssen, vielleicht wenige Meter vor dem ersten Stück­chen Brot. Ihr Mann kniete verzweifelt neben ihr und sprach fortwäh­rend auf sie ein, aber die Frau rührte sich nicht, und nach einer Weile kam eine Milizstreife und fragte den Mann nach seinen Dokumenten, und als er die Fragen der Miliz unbeachtet ließ, rissen sie ihn empor und nahmen ihn mit. Dann erschienen zwei Zivilisten mit einer Trag­bahre; sie legten die alte Frau auf die Tragbahre und schaukelten da­von, aber die Zuschauer blieben schweigend stehen, als ob die Alte immer noch zu ihren Füßen läge.

Die Jungen wollten sich langsam aus der Gruppe lösen, sie nahmen sich bei der Hand und wollten aus dem Zentrum der Gruppe hinaus, da stieß Fips mit einem Milizsoldaten zusammen; es war ein alter, freundlicher Soldat, der die Mütze schief trug und kleine, lustige Augen hatte, und er hielt Fips mit seinen breiten Fingern am Hals fest und sagte: »Chalt! Chalt. Wohin ihr wollt hüpfen, junge Heuschrecken, hm?«

»Wir sind nur kurz hier«, sagte Fips.

»Was ist?« sagte der Soldat. »Wo ihr hab Dokumente, Papier, hm? Wo ist?«

»Verloren«, sagte Fips. »Wir haben Dokumente verloren.«

»Ah«, sagte der Soldat mit gespielter Traurigkeit, »ah, alles verloren. Großmutter verloren, Papiere verloren, alles fftt -, alles verloren. Ihr seid gekommen mit Zug? Richtig?«

»Wir sind schon gestern mit dem Zug gekommen. Wir wollten -«

»Gestern?« sagte der Soldat, »warum du mußt schwindeln, ha? War­um gestern? Hab ich Augen. Hab ich gesehn mit Augen wie ihr seid gesprungen von Zug. Cheute! Cheute! Nicht gestern. Dawai! Nach Kommandantur!«

Er ließ die Jungen vorangehen, und sie gingen über den schlecht gepflasterten Bahnhofsplatz und schlugen den Weg zu einer Brücke ein. Der Soldat forderte sie auf, langsam zu gehen, es war ein freund­licher, redseliger Mann, und er sagte: »Ihr seid gekommen aus Deutschland, richtig? War ich gewesen in Breslau, in Frankfurt. Prima. Du warst gewesen in Breslau? Viel fftt! Alles fftt«, und dazu machte er eine wegwerfende Geste.

»Ich war in Breslau«, sagte Fips.

»Du warst gewesen«, sagte der Soldat, glücklich überrascht.

»Ja«, sagte Fips, »aber jetzt kommen wir aus Königsberg.«

»Königsberg? Was du nicht sagst. War ich auch gewesen in Königs­berg. Viel fftt! Ah, nicht gut. Fschistko bombarduiä. Alles fftt. Was ihr hier wollt?«

»Hunger«, sagte Fips.

»Chunger«, wiederholte der Soldat, »alles Chunger. Alle kommen chier. Was ich soll machen? Zurrick, alles zurrick.«

Sie gingen über die Brücke, und Fips tat, als ob er auf das Wasser hinabsah, und er beugte sein Gesicht an Kurtchen heran und zischte ihm zu: »Paß auf, hinter der Brücke sausen wir los. Immer mir nach.«

Der Soldat hatte die Worte gehört, aber er hatte sie nicht verstanden, und darum fragte er mißtrauisch: »Was du chast gesagt zu ihm? Ha? Was du chast gesagt, schnell.«

»Ich habe ihn gefragt, ob er auch Hunger hat«, sagte Fips.

»Ah«, sagte der Soldat, »arme kleine Mann, alles Chunger.«

Sie überquerten die Brücke, und am Ende der Brücke begannen sie unwillkürlich schneller zu gehen, so daß sich der Abstand zwischen ihnen plötzlich vergrößerte. »Hei«, rief der Soldat, »warum ihr mißt so rennen? Chaben wir Zeit, werden wir schon kommen zur Kommandantur. Chalt! Stoi!«

Er sah, daß die Jungen sich nicht nach seinem Befehl richteten, sie hörten nicht auf ihn und gingen immer schneller, und dann stieß Fips den Kleinen in die Seite, und beide begannen zu laufen, sie rasten, während der Soldat hinter ihnen herrief, über den Damm, sie hörten ihn einmal schießen, aber sie wußten, daß er nur in die Luft geschossen hatte und daß für sie selbst keine Gefahr bestand, denn sie konn­ten, wenn sie sich umwandten, den Soldaten nicht mehr erkennen, und als sie an die Lagerschuppen kamen, fühlten sie sich endgültig sicher und gingen ans Wasser hinab. Das Laufen hatte sie ausgepumpt, und sie setzten sich auf eine Kiste und ruhten sich schweigend aus, und dann sagte Kurt: »Was sollen wir jetzt machen, Fips, ich kann bald nicht mehr.«

»Mach' dir keine Sorgen, Jungchen. Wir müssen nur aus der Stadt raus. Wenn wir aus der Stadt raus sind, ist alles gut. Dann sind alle Sorgen fftt, das kannst du mir glauben.«

»Aber wie kommen wir jetzt nach Hause?«

»Nach Hause?« sagte Fips. »Du bist kaum hier und willst schon wieder nach Hause. Jetzt geht's doch erst richtig los. Wir wollen doch etwas haben von unserer Reise.«

»Aber wie kommen wir hier raus«, fragte Kurtchen ängstlich.

»Da«, sagte Fips.

Er streckte die Hand aus, und seine Finger zeigten auf einen alten schwarzen Flußdampfer, einen Raddampfer, der an der Pier lag. Der Dampfer lag noch an der Leine, aber die Jungen sahen, daß alle Vorbereitungen zur Abfahrt getroffen wurden, Kisten wurden festgezurrt und große Fässer über den Laufsteg gerollt, und auf einem Poller saß ein Mann, der die Leinen loswerfen wollte.

»Da«, sagte Fips, »der wird uns aus der Stadt rausbringen. Das wird sogar ganz gemütlich. Eine Dampferfahrt habe ich lange nicht mehr gemacht.«

»Hast du denn Geld?«

»Geld«, sagte Fips verächtlich, »ich habe genau soviel Geld wie du. Wir bezahlen unsichtbar, Jungchen. Wir schleichen uns von hinten ran und verschwinden hinter den Säcken und Kisten. Da brauchen wir kein Geld.«

»Und wenn sie uns sehen?«

»Dann müssen wir bezahlen. Aber komm jetzt.«

Sie gingen dreist an den Dampfer heran, mit absichtsloser Neugierde, wie es schien, aber als die Vorleine losgeworfen und das Heck des Dampfers gegen die Pier gedrückt wurde, sprangen sie rasch nacheinander hinauf, warfen sich hinter die Säcke, damit sie von der Brücke nicht gesehen werden konnten und beobachteten, wie die Schaufelräder das Wasser walkten und der Dampfer langsam zur Mitte des Stromes drehte.

Der Dampfer fuhr mit der Strömung, er fuhr an ertrunkenen Wie­sen vorbei, an weiten, flachen Feldern, vorbei an strohgedeckten ein­samen Gehöften und an dichten Wäldern; auf manchen Feldern waren Menschen bei der Arbeit, angestrengt gebückt, und als der Dampfer vorbeikam, richteten sie sich auf und sahen stumm herüber, ohne zu winken.

Fips untersuchte die Säcke auf ihren Inhalt, er schlitzte sie unten mit dem Taschenmesser auf, hielt die Hand unter den Schlitz und sah zu, wie eine braune, funkelnde Splittermasse herauslief. Es war Zucker und sie leckten gierig die süßen Splitter aus ihrer Hand auf, kauten knirschend und füllten, nachdem sie sich einigermaßen gesättigt hat­ten, ihre Taschen. Fips wischte sich die klebrigen Hände an den Hosen ab und verschränkte die Beine zum Schneidersitz, und dann legte er einen Arm um Kurtchen, und beide sahen zum Ufer hinüber, das lautlos vorüberglitt.

»So, Jungchen«, sagte Fips, »jetzt fühl ich mich schon besser. Das war erst der Anfang, Jungchen. Du wirst sehen, Litauen wird uns nicht enttäuschen. Wart nur ab. Ich glaube, wir werden bald eine Eier­schlacht machen können. Wir fahren noch ein Stück weiter, Jungchen, je weiter, desto besser. Wir müssen aufs Land, denn da läßt sich am meisten holen.«

»Und wenn der Dampfer nicht mehr anhält?«

»Nicht anhält?« sagte Fips.

»Ja«, sagte Kurtchen, »ich kann nicht schwimmen.«

»Dann fahren wir einfach, soweit der Zuckervorrat reicht«, sagte Fips.

»Aber eines Tages müssen alle Dampfer anlegen. Einmal müssen sie alle an die Pier, Jungchen. Auch dieser Kasten hier, das laß dir gesagt sein. Und dann kommen wir auch nach Hause, und deine Mutter wird bestimmt gesund, wenn du ihr eine Speckseite aufs Bett wirfst. Wart nur ab. Du wirst...« Er sprach nicht weiter, denn er spürte plötzlich einen harten Schlag auf der Schulter. Und bevor er sich umdrehen konnte, erhielt er einen neuen Schlag ins Genick und gegen die Rippen, und er hörte auch Kurtchen aufschreien und wußte, daß sie ent­deckt worden waren. Sie legten sich zwischen den Säcken flach hin und verbargen den Kopf unter den Händen, um ihn gegen die Schläge zu schützen, aber der Matrose riß sie am Hemd hoch und zog sie aus ihrem Versteck heraus. Es war ein junger, mürrischer Matrose mit schwarzen Augen und zähem schwarzem Haar, er sagte kein einziges Wort zu ihnen, er stieß sie den Aufgang zur Brücke hinauf und über­gab sie dem Kapitän. »Sie saßen hinter den Säcken«, sagte er zum Kapitän.

Der Kapitän des Flußdampfers sah sie grinsend an; er war klein für einen Kapitän, er trug eine blaue Ballonmütze und warmes blaues Wollzeug.

»Kann ich gehen?« fragte der Matrose.

»Ja«, sagte der Kapitän, »du kannst gehen, Jonas.«

Er wartete, bis der Matrose verschwunden war, dann sah er wieder auf die Jungen und lachte.

»Herr Kapitän«, sagte Fips, »auf der nächsten Station steigen wir schon aus. Wir steigen bestimmt aus und kommen auch nicht wieder an Bord. Wir sind aus Königsberg, Herr Kapitän. Wir wollen aufs Land zu den Bauern.«

»Das merke ich.«

»Der Kleine kann nicht schwimmen, Herr Kapitän, werfen Sie uns nicht rein.«

»Hört zu«, sagte der Kapitän, und seine Stimme klang verändert und das Lachen verschwand aus seinem Gesicht. »Hört zu, Jungens, ihr dürft nicht bis zur nächsten Station mitkommen. Die nächste Station heißt Vilki, und da kommt die Miliz an Bord, und ihr wißt, was euch blüht, wenn die Miliz euch findet. Man wird euch einsperren und zurückschicken, und ihr habt eure Reise umsonst gemacht. Ich will euch helfen. Aber ihr dürft keinem erzählen, daß ich euch mitnahm.«

»Nein«, sagte Fips, »nein, Herr Kapitän, ich werde keinem davon etwas erzählen. Auch der Kleine nicht, Ehrenwort.«

»Paßt auf«, sagte der Kapitän, »kurz vor Vilki passieren wir eine Sandbank, sie ist dicht an der Fahrrinne, gar nicht tief, höchstens bis zu den Knien; ich werde euch sagen, wenn es soweit ist. Dann müßt ihr springen. Ihr stellt euch am besten am Heck hin und springt dann mit aller Kraft außenbords. Hab keine Angst, Kleiner, das geht schon klar, das haben schon viele vor dir gemacht, noch jüngere sogar. Und sagt keinem ein Wort davon, sagt auch nichts dem Matrosen, der euch hierherbrachte. Habt ihr mich verstanden?«

»Ja«, sagten Fips und Kurtchen wie aus einem Mund.

»Gut«, sagte der Kapitän, »dann bleibt hier auf der Brücke und wartet, bis ich euch ein Zeichen gebe; ihr werdet die Sandbank auch selber erkennen, wenn das Wasser hell und gelb wird; und geht über­haupt nicht nach Vilki, Jungens, da liegt viel Miliz, und ihr werdet schnell auffallen, und man wird euch schnappen. So, und jetzt setzt euch dahin und seid ruhig.«

Vor der Sandbank gab ihnen der Kapitän ein schnelles Zeichen, er hob nur einmal seine Hand, und sie verstanden ihn und gingen vor­sichtig zum Heck des Dampfers. Es war eine lange Sandbank, sie sahen selbst, daß es nicht allzu tief sein konnte, denn das Wasser war gelb und nicht bleifarben wie über der Fahrrinne. Als erster sprang Fips; er drückte sich vom Bordrand ab, flog mit ausgebreiteten Armen durch die Luft und klatschte ins Wasser, während Kurtchen ihn stumm be­obachtete. Als er sah, daß Fips sich gleich wieder aufrichtete und das Wasser kaum seine Knie erreichte, sprang auch er und landete eben­falls glatt.

Der Matrose, der sie zwischen den Säcken entdeckt hatte, hörte den Aufschlag der Körper auf dem Wasser und kam zur Reling, und er sah, daß die Jungen lachten und langsam zum Ufer wateten - er konnte ihnen nichts mehr anhaben.

Sie setzten sich glücklich und erschöpft ins Gras, und nachdem sie sich ausgeruht hatten, standen sie auf und sahen sich um. Sie befanden sich auf einer Wiese; am Rande der Wiese erhob sich ein einzelnes Gehöft, und dahinter begann der Wald, und Fips deutete auf das Ge­höft und sagte: »Da, Jungchen, jetzt kann's losgehen! Wir werden ab­wechselnd fragen. Bei diesem Haus frage ich, beim nächsten du. Ein­verstanden?«

Kurtchen nickte, und sie gingen über die tauschwere Wiese, und als sie sich vor dem Gehöft befanden, schlug ein Hund an.

Der Hund lag an der Pumpe, und sie gingen zögernd in großem Bogen um die Pumpe herum, und blieben vor der Tür stehen und klopften. Es dauerte lange, bis sie Schritte hörten; eine Frau öffnete ihnen und schüttelte, ohne daß ein Wort gefallen wäre, den Kopf. Es hat keinen Zweck, sollte es heißen, spart euch alle Fragen. Aber Fips sagte: »Ich wollte mal fragen ...«

»Du brauchst nicht zu fragen«, sagte die Frau auf deutsch. »Ich habe nichts. Versucht es woanders. Ich hab' nichts, das ich euch geben kann.«

»Ein winziges Stück nur«, sagte Fips.

»Jetzt nicht«, sagte die Frau. »Geht fort. Aber geht nicht für immer fort. Kommt zurück, wenn es dunkel ist. Klopft dann ans hintere Fenster. Und jetzt geht, ich hab' nichts.«

»Nachts?« fragte Kurtchen.

»Wenn es dunkel ist, Kleiner, ja.«

Die Frau schloß die Tür, und die Jungen schlugen einen Weg in den Wald ein. Es war ein feuchter, weicher Weg, den sie gingen, er führte sie von dem Gehöft fort und parallel zum Fluß in eine Richtung, in der sie vom Dampfer aus mehrere Gehöfte gesehen hatten. Sie versuchten es auch bei den Einwohnern dieser Gehöfte, aber überall sagte man ihnen: Geht fort. Aber geht nicht für immer fort. Kommt zurück, wenn es dunkel ist. Jetzt können wir euch nichts geben.

Die Jungen merkten sich die Lage der Gehöfte und gingen wieder zum Fluß hinab. Sie gingen wieder zu der Stelle, an der sie gelandet waren, und sie tranken Wasser aus dem Fluß und aßen ein wenig von dem Zucker, den sie in den Taschen hatten, und dann legten sie sich dicht nebeneinander ins Gras und schliefen ein. Sie schliefen bis zur Abenddämmerung. Sie schliefen so lange, bis der Strom den Nebel entließ, bis der Nachtfrost kam und sie in die nackten Beine kniff; da erhoben sich alle beide, rieben die Hände warm, reckten ihre Körper und sahen nach dem Licht des Gehöfts. Starr, gelb und klein leuchtete es ihnen entgegen, und sie machten sich auf den Weg.

Sie brauchten diesmal nicht zu warten. Als sie auf dem Hof standen, wurde die Tür geöffnet, und sie sahen die dunklen Umrisse der Frau und daß sie ihnen winkte. Sie wurden erwartet, und es wurde ihnen zu verstehen gegeben, daß es nicht nötig sei, viel zu sprechen; die Frau brachte sie in eine Kammer und sagte: »Redet nicht viel, Kinderchen, setzt euch hin und eßt. Da ist Suppe.«

Und die Jungen setzten sich hin und aßen von der Suppe, und als die Schüssel leer war, brachte die Frau Brot und mageren Speck; sie sah zu, wie die Jungen aßen, sie wachte argwöhnisch darüber, daß keiner von ihnen etwas in die Taschen schob. Sie durften essen, soviel sie wollten, aber nichts mitnehmen. »Ihr müßt alles hier aufessen«, sagte die Frau. »Ihr dürft nichts mitnehmen. Nachher fangen sie euch unterwegs, und wenn sie rauskriegen, wer euch den Speck gegeben hat, dann ist es für euch nicht gut und für mich auch nicht.«

Und die Jungen aßen und aßen, und als nichts mehr auf den Tellern lag, erhoben sie sich stöhnend und wackelten zur Tür; ein Gefühl der Gleichgültigkeit überkam sie. Sie wollten sich gleich neben den Brun­nen legen und schlafen, aber die Frau schob sie auf den Weg und sagte: »Hier dürft ihr nicht schlafen, Jungens, so nah am Haus dürft ihr nicht bleiben. Geht in den Wald, da ist es wärmer und weicher. Geht dorthin und legt euch unter einen Strauch, und laßt euch nicht bei Tage hier sehen.«

Sie drangen, nachdem sie sich bedankt hatten, in den Wald ein, suchten eine günstige Stelle und fielen um; sie schliefen bald ein, und der Kleine kaute noch im Schlaf...

... Die Jungen schliefen bis in den späten Morgen; das Geräusch eines vorbeifahrenden Autos weckte sie, und sie gingen in die Rich­tung, aus der das Geräusch zu ihnen gedrungen war, und entdeckten eine Chaussee. Sie setzten sich in den Chausseegraben, und Kurtchen sagte:

»Wir können hier warten, Fips. Wir können hier sitzenbleiben, bis ein Auto kommt. Wir werden es anhalten und uns ein Stück mitneh­men lassen. Vielleicht bis zum nächsten Dorf.«

»Nein«, sagte Fips, »nein, Jungchen, ein Auto dürfen wir nicht an­halten. In den Autos sitzt die Miliz. Ich will lieber langsamer vorwärts­kommen, aber sicherer. Außerdem wird die Miliz uns auch nicht mit­nehmen.«

»Was meinst du, Fips, wenn wir heute etwas bekommen, im näch­sten Dorf oder so, dann könnten wir doch abends nach Hause fahren. Wir behalten heimlich etwas von dem Brot und fahren abends zu­rück.«

»Auf keinen Fall«, sagte Fips. »Wenn du willst, Jungchen, kannst du allein nach Hause fahren. Ich bleibe noch einige Tage hier. Ich bin doch nicht hergekommen, um mich nur einmal vollzufressen. Du mußt die Gelegenheiten besser ausnutzen, Jungchen, sonst kommst du nie zu was. Deine Mutter wird schon warten.«

Sie hoben beide den Kopf und sahen die Chaussee hinab; sie hörten das Geräusch eines Wagens und bemerkten zwischen den Bäumen einen großen Heuwagen, der langsam näher kam.

»Das ist das Richtige«, sagte Fips hastig. »Von dem lassen wir uns mitnehmen. Langsam, aber sicher, Jungchen, und dazu noch gepol­stert. In den Autos sitzt die Miliz.«

»Soll ich ihn anhalten?« fragte Kurtchen.

»Nein«, sagte Fips, »wir halten ihn überhaupt nicht an. Wir klettern einfach hinten am Balken rauf; das merkt niemand. Laß ihn nur vorbeifahren.«

Sie ließen den Wagen vorbeifahren; dann sprangen sie auf, liefen wenige Schritte hinterher und zogen sich am Balken auf das Fuder empor. Es schwankte hier oben mächtig, und sie ließen sich ins warme Heu fallen und lachten sich lautlos zu. Aber plötzlich geschah etwas Unerwartetes: Sie sahen fast gleichzeitig, wie aus einer Heumulde der Lauf einer Maschinenpistole hervorstach; sie sahen die kleine dunkle Öffnung auf sich gerichtet und hoben die Hände hoch. Und dann tauchte der Kopf eines Milizsoldaten auf, und sie erschraken bei der Feststellung, daß es derselbe Soldat war, dem sie an der Brücke in Kowno davongelaufen waren. Der Soldat lachte und befreite sich vom Heu, das auf seiner Mütze und seiner Schulter hing, und er sagte: »Oi, oi, oi, was ist Welt klein, oi, oi, Vögelchen nicht haben Nester zum Verstecken. Alles fftt, alle Verstecke fftt!«

Diesmal paßte der Soldat besser auf, und er brachte die Jungen nach Veliouna, zu einer kleinen Kommandantur. Sie wurden für mehrere Tage eingesperrt, aber sie wurden gut behandelt, bekamen regelmäßig zu essen, und nachts erhielten sie eine Decke zum Schlafen. Sie blieben sechs Tage in Veliouna, und der Kleine weinte anfangs viel, und Fips gab ihm jeden Morgen etwas von seiner Brotration ab, da man ihnen den Zucker bei einer Leibesvisitation weggenommen hatte. Und am siebten Tag wurden sie verhört und dann von demselben Soldaten, der sie geschnappt hatte, zur Grenze gebracht. Es war ein sonniger, bie­derer Vormittag, an dem sie zu dritt zur Grenze gingen. Die Schwalben kurvten hoch im Blau, und die Straße war lang und gleichgültig und bot keine Abwechslung. Soweit das Auge reichte, war Straße, grausam monoton, nicht auszuhalten; nirgendwo ein Knick, eine willkommene Täuschung: zu Ende. Sie liefen vier Stunden, und als der Soldat es nicht mehr aushielt, rief er: »Stoi! Chalt! Alles chalt! So. Zuhören. Ich jetzt zurrick. Ich nach Haus. Ihr: Grenze. Ihr immer mißt laufen dieser Straße. Grenze zwei Stunden, kann auch sein finf Stunden. Was weiß ich. Ihr nicht zurrickkommen! Sonst fftt! Du und du. Alle beide fftt! Verstanden?«

»Und wie kommen wir nach Königsberg?« fragte Fips.

»Geradeaus«, sagte der Milizsoldat, »immer weiter, bald Grenze, bald Königsberg.« Und er faßte in die Tasche und holte einen großen Kanten Brot heraus; er reichte Kurtchen das Brot und sagte: »Chier, kleine Mann, chast Brot. Fier Chunger. Lauf, schnell! Dawai!«

Und die Jungen gingen ohne den Soldaten weiter, sie gingen ge­mächlich, und wenn sie sich von Zeit zu Zeit umdrehten, sahen sie den Soldaten immer kleiner werden auf der hitzeflimmernden Straße.

»Der hatte keine Lust mehr«, sagte Fips. »Na, hinter den Birken setzen wir uns hin und warten. Dann kann er uns kaum noch erkennen.«

»Sollen wir denn nicht zur Grenze?«

»Zur Grenze? Erstens, Jungchen, werden sie uns nicht 'rüberlassen über die Grenze, und zweitens könnten sie uns in ein Lager stecken. Hast du Lust dazu?«

»Ich bestimmt nicht«, sagte Kurt. »Ich brauch' nur unbedingt ein Paar Schuhe, Fips. Ich muß Schuhe haben, das piekt so verdammt auf den Steinen. Bei dir nicht?«

»Bei mir nicht«, sagte Fips. »Ich hab' jetzt schon 'ne Hornhaut, seitdem mir der Matrose die Schuhe weggenommen hat, hab' ich mir schon 'ne Hornhaut gelaufen, dick wie ein Kamm, Jungchen. So was mußt du dir auch anschaffen. Da geht nichts durch.«

Er verstummte plötzlich und drängte Kurt in den Graben; sie hörten mehrere Feuerstöße aus einer Maschinenpistole und auch einige Schreie, und als sie den Kopf über die Böschung hoben, sahen sie den Milizsoldaten auf der Straße liegen, und neben ihm standen einige bewaffnete Zivilisten. Sie beugten sich über ihn und nahmen ihm die Maschinenpistole fort, und dann verschwanden sie im Wald, und zwei von ihnen schleiften den toten Milizsoldaten in ein Gebüsch. Es waren Partisanen ...

... Im Wald von Passelautskinne, in dem seit mehr als zweihundert Jahren kein Holz geschlagen wurde, stießen die Jungen auf eine Gruppe von Partisanen; die Partisanen waren gut bewaffnet, sie hatten alle eine russische Maschinenpistole, denn sie mußten sich, wie sie sagten, auf russische Waffen verlegen, da sie für die deutschen keine Munition mehr bekamen. Die Partisanen sprachen fast alle deutsch, und die Jungen erhielten Essen und Trinken von ihnen, und man gab ihnen auch Ratschläge, in welche Dörfer sie gehen und welche sie nicht be­treten sollten, und sie wären gern noch eine Weile bei den Partisanen geblieben. Aber im Morgengrauen kam ein nervöser junger Bursche zu ihnen und sagte: »Ihr müßt jetzt verschwinden, Jungens, wir sind um­zingelt.«

»Der ganze Wald?« fragte Fips.

»Frag nicht soviel. Und gnade euch Gott, wenn ihr etwas erzählt. Ihr habt gesehen, was wir mit Spitzeln machen. Ihr habt sie an der Birke gesehen. Verschwindet jetzt. Es ist egal, wohin ihr geht. Sie sind an allen Ecken. Wenn es zu schießen anfängt, dann werft euch sofort hin.«

»Oder wir klettern auf einen Baum«, sagte Fips.

»Wenn sie Bluthunde haben, holen sie euch runter wie Krähen. Aber ihr könnt's ja versuchen. Los. Verschwindet jetzt.«

Die Jungen schlichen zögernd davon, und plötzlich rief Kurtchen leise: »Da, Fips!«

»Wo?«

»Unter der Fichte.«

»Das ist eine Kuh«, sagte Fips. »Die ist da angebunden, Jungchen. Wahrscheinlich hat die ein Bauer hier versteckt. Der ist schlau, was? Melkt die Kuh im Wald. Hat immer Milch und braucht nichts abzu­liefern. Komm, auf diese Fichte klettern wir rauf.«

»Aber wenn sie kommen, Fips, werden sie die Kuh finden, und dann -«

»Dann«, sagte Fips, »werden sie für nichts mehr Augen haben als für die Kuh. Sei nur ruhig. Du bist kein guter Menschenkenner, Jungchen. Ist doch klar. Die werden mit der Kuh so beschäftigt sein, daß sie die Bäume in der Nähe gar nicht absuchen werden.«

»Aber ...«

»Nichts aber, Kurtchen, mach zu. Du kletterst als erster rauf.«

Sie kletterten auf die Fichte und lauschten atemlos auf alle Geräu­sche, und nach einer Weile sahen sie zwei Milizsoldaten auf die Lich­tung treten; die Soldaten hatten keine Bluthunde bei sich, aber sie trugen die Maschinenpistole lose im Arm, und die Jungen saßen reg­los im Wipfel der Fichte. Die Soldaten fanden die Kuh, und sie ent­deckten auch die Leiche des Spitzels an der Birke, aber sie entdeckten die Jungen nicht und auch nicht die Partisanen. Die »Grünen« waren auf geheimnisvolle Art verschwunden, es kam zu keiner Schießerei, sie wurden nicht aufgestöbert, obwohl die Milizsoldaten das Wald­stück mehrmals durchkämmten, bevor sie auf Lastwagen davonfuh­ren.

Die Jungen stiegen erst am Abend von der Fichte herab; sie wußten nicht, daß alle Soldaten weggefahren waren, und darum blieben sie ruhig sitzen und warteten. Sie konnten warten, sie hatten es gelernt in den Tagen, die sie hier schon verbracht hatten; unmerklich hatten sie ein anderes Zeitgefühl erhalten, das Zeitgefühl des Ostens.

An einem Abend kamen sie in ein Dorf. Es war ein kleines Dorf, das nur aus wenigen strohgedeckten Hütten bestand, und es machte einen friedlichen Eindruck. Es sah nach Feierabend und Ruhe aus, und die Jungen beobachteten das Dorf, bevor sie zwischen die Häuser traten, aber sie bekamen keinen Menschen zu Gesicht; die Hütten lagen wie ausgestorben da, niedrige, graue Hütten, die sich an den Boden duck­ten.

Kurtchen sagte: »Die schlafen wohl schon alle, Fips. Die sind aber früh ins Bett gegangen.«

»Das glaub ich nicht, Jungchen.«

»Meinst du, daß sie alle tot sind?«

»Nein.«

»Was denn? Vielleicht haben sie sich versteckt.«

Sie gingen an eine Hütte heran, und Kurtchen warf einen Blick durch das vordere Fenster, und im gleichen Augenblick sagte er: »Da, Fips, es ist nichts drin in dem Haus. Kein Stuhl, kein Bett, nichts. Sieh nur! Hier wohnt niemand. Die Leute sind alle weggezogen. Vielleicht ging es ihnen zu schlecht hier.«

»Oder zu gut«, sagte Fips. »Wahrscheinlich hat man sie alle mit dem Lastwagen irgendwohin gebracht. Das glaube ich wohl.«

Sie betraten die Hütte und untersuchten die Küche und den Boden und den Rauchfang, aber sie konnten nichts finden, das sich gelohnt hätte, mitgenommen zu werden; nur ein Stück Schnur fanden sie und einen Räucherhaken. Sie betraten mehrere Hütten, aber alle waren leer und verlassen, und Fips sagte:

»Es hat keinen Zweck, Jungchen, hier ist nichts zu holen. Wir gehn jetzt noch mal zu dem größeren Haus, und wenn das auch leer ist, müssen wir weiter zum nächsten Dorf.«

Aber als sie an das Fenster des größeren Hauses pochten, wurde die Tür geöffnet, und ein alter, freundlicher Mann erschien auf der Schwelle; er forderte sie auf, hereinzukommen, und führte sie in ein Zimmer, in dem nur in einer Ecke Deckenreste und Laub lagen, of­fenbar als Schlafstelle.

»Ich wollte nur fragen, ob Sie ein Stück Brot haben«, sagte Fips. »Aber nicht für mich, ich halte es schon noch aus. Ich frage nur wegen des Kleinen hier.«

Der alte Mann lachte hilflos und sagte: »Was soll ich euch denn geben, Kinderchen? Ich hab' nichts. Aber meine Frau ist fortgegangen. Vielleicht bringt sie ein paar Pilze mit oder Blaubeeren. Wenn ihr wollt, dann setzt euch ruhig hin und wartet.«

»Du bist doch nicht von hier, Opa?« sagte Fips.

»Nein«, sagte der alte Mann. »Ich bin nicht von hier.«

»Du kommst aus Ostpreußen, nicht?«

»Ja«, sagte der Alte, »aus Palmnicken. Ihr auch?«

»Nein, wir sind aus Königsberg.«

»Aus Königsberg«, sagte der Alte beglückt, »was ihr nicht sagt, Kin­derchen. Ich hab' gedient in Königsberg. 1900. Ja, ich kenn' Königs­berg gut. - Daher kommt ihr also.«

»Wir sind aber schon einige Wochen hier, Opa. Sag mal: wo sind denn die Leute im Dorf? Sind die alle weggezogen?«

»Weggezogen?« fragte der Alte. »Wenn ihr wüßtet, wie die weggezogen sind. Ein Grüner hat es uns erzählt, einer von den Partisanen.«

»Wurden sie erschossen?«

»Nein«, sagte der Alte, »Gott bewahre. So gnädig war man nicht zu ihnen. Das war ganz anders: Eines Abends, da wurde hier im Dorf ein kleines Fest gefeiert, es wurde getanzt und getrunken, und alles war sehr lustig. Und plötzlich kamen die Grünen aus dem Wald, es waren wohl vierzig Männer. Und alle brachten ihre Gewehre mit, und sie reinigten ihre Gewehre vor dem Gasthaus und begannen dann auch zu tanzen und zu feiern. Sie hatten natürlich einige Posten aufgestellt, die melden sollten, wenn die Russen kämen, aber die Posten merkten nicht, daß sich der Bruder des Partisanenführers wegschlich und alle an die Russen verriet. Es gab eine furchtbare Schießerei hier, und es wurden zweiunddreißig Russen getötet, aber auch mehr als zwanzig Grüne.

Und nachdem die Partisanen wieder im Wald waren, kam die Miliz, und alle Leute im Dorf wurden auf Lastwagen getrieben und fortge­bracht. Ich weiß nicht, wohin sie gebracht wurden, aber wiederkom­men werden sie wohl nicht. Na, und jetzt sitzen wir hier, meine Frau und ich; hier wird man zumindest in Ruhe gelassen. Ab und zu kommt nur mal ein Grüner und sieht bei uns 'rein, der Mann, dem das Haus gehört. Er hat nichts dagegen, daß wir hier sind, er sagt immer: bleibt ruhig hier, solange ihr hierbleibt, habe ich die Hoffnung, zurückzu­kommen. Aber wenn erst das ganze Dorf leer ist...« Ein kurzes Klopfen an der Tür unterbrach den Alten; seine Frau kam herein mit einer Konservendose voll Blaubeeren, und nachdem sie den Besuch ken­nengelernt hatte, stellte sie die Dose vor die Jungen hin und sagte: »Eßt nur, Kinderchen. Ich werde uns neue pflücken. Komm, Kleiner, fang du an.«

Aber Fips sagte: »Nein, nein. Der Kleine will nichts mehr. Das hab' ich vorhin nur so gesagt. So, Kurtchen, jetzt wollen wir mal auspacken. Jetzt wollen wir uns alle mal richtig satt essen. Gib den Speck her, Jungchen, und das Brot. Und die Eier können wir auch gleich hierlas­sen.«

Und sie holten beide aus geheimen Taschen und unter der Kleidung versteckten Beuteln alles heraus, was sie hatten, und dann forderten sie die beiden Alten auf, Platz zu nehmen und zuzugreifen, und sie aßen vergnügt und andächtig, soviel sie konnten. Die Alten hatten lange keinen Speck mehr gesehen und kein Ei, und die Jungen baten sie, alles aufzuessen.

»Na«, sagte der Alte, »was sagst jetzt, Mutter? Hättest du gedacht, daß wir in unserm verlassenen Dorf noch mal so was zu sehen bekom­men? Ein reines Wunder, wahrhaftig. Ein reines Wunder in diesem Dorf.«

Nach dem Essen blieben sie auf der Erde sitzen und tauschten Neu­igkeiten aus, oder das, was sie Neuigkeiten nannten. Sie erzählten sich, daß das nicht das einzige verlassene Dorf in Litauen war und daß immer mehr Deutsche in dieses Land kamen. Sie zogen bettelnd von Haus zu Haus, und wo die Einheimischen helfen konnten, da wurde geholfen; und wenn Wandernde ein leerstehendes Haus ausfindig machten, dann blieben sie manchmal und richteten sich ein, und wenn sich das herumsprach, folgten ihnen andere, und so entstanden an vielen Orten kleine deutsche Gemeinschaften. Sie wurden zwar ständig kontrolliert, aber die NKWD-Offiziere waren vielerorts ausnehmend freundlich zu den Deutschen. Und die Litauer halfen ihnen, halfen, wo sie konnten, auch wenn sie sich dabei selbst in Gefahr begaben.

An Markttagen fuhren die Deutschen viele Meilen weit, um einan­der zu sehen und gute Ratschläge zu geben, und das neue Land verän­derte sie, ohne daß sie dessen gewahr wurden; sie hatten einen anderen Blick und andere Gedanken, und sie alle unterlagen einem neuen Ge­fühl der Zeit ... Zeit, was ist im Osten die Zeit? Still sein und warten. Die Fußnägel wachsen, der Großvater stirbt, und der Sommer sinkt um, und dann tritt sich der Herbst die Füße ab, und hinterm Wald liegt schon der Winter auf der Lauer.

Eines Tages trennten sich die Jungens, sie gingen ohne großen Ab­schied auseinander. Fips arbeitete bei einem Bauern, und der Kleine ging in den Wald und half beim Holzfahren. Beide wurden registriert, beide trugen neue Dokumente bei sich und sprachen litauisch und russisch. Sie verdienten sich ihr Brot; sie bekamen Rubel ausgezahlt, und in jedem Monat trafen sie sich während des Marktes und brachten einander Zigarettenpapier und Tabak mit, und sie umarmten und freuten sich.

Aber dann erschien Fips auf einmal nicht mehr, und obwohl Kurtchen bis zum Abend wartete, bekam er den Freund nicht zu Gesicht, und da fragte er einige Leute, ob sie wüßten, wo Fips sei, und ein Mann erzählte ihm, daß Fips im Wald gefunden worden sei, tot. Niemand habe eine Verletzung an ihm entdecken können, er habe tot auf einer Lichtung gelegen, vielleicht, meinte der Mann, sei er erdrosselt wor­den.

Da fuhr Kurtchen allein mit seinem Pferdewagen nach Hause und dachte an Fips; und plötzlich, da er allein war, begann er sich zurück­zusehnen; die Erinnerung brannte in ihm, und er dachte an seine Mutter und an Heinzi, seinen jüngeren Bruder. Er erschrak über die Feststellung, daß er mittlerweile fast achtzehn Jahre alt geworden war, und er sann und sann, wie er nach Hause kommen könnte.

Als dann im Winter Vorbereitungen zum Abtransport aller Deut­schen aus Litauen getroffen wurden, ließ der Kleine sich registrieren, und seine litauischen Freunde brachten ihn zur Bahn, und es war ein großer und rührender Abschied, und eines Tages kam er nach dem Westen, und hier traf er seinen Bruder wieder und erfuhr von ihm, daß die Mutter die Zeit nicht überlebt hatte. Und er fand auch Aufnahme und Arbeit in einem Lehrlingsheim.

Bei der Arbeit findet er wenig Zeit, an Litauen zu denken. Doch wenn er manchmal nachts erwacht, dann tauchen plötzlich vor seinen Augen Wiesen und dichte, verfilzte Wälder auf, und er sieht den alten, gleichmütigen Strom zu seinen Füßen und hört eine ferne Musik. Und dann verspürt er so etwas wie Sehnsucht.

© Hoffmann und Campe, 2016

Danish

Det fjerne er ikke så langt væk
Translated by Pernille Tønnesen

 

De erobrede byen og gav den et nyt navn, de kaldte den Kaliningrad, og fra den dag af var rundstykkerne sorte og klæge, og brødene var våde og kostede mellem firs og hundrede rubler stykket. Det var de første forandringer, som viste sig med byens nye navn, vådt brød og sorte rundstykker; indbyggerne tænkte hver dag på byens nye navn, de kunne ikke undgå at tænke på det, for når et brød kom under kniven, når en hånd oven fra trykkede på brødet, løb der vand ud fra den side der var skåret i – og de var nødt til at skære brød, hver dag. Men det våde brød var ikke let at skaffe, med byens nye navn var også brød blevet sjældnere; det var blevet sjældent og kostbart, for dem der ville eje det, krævede det hver dag nye overvejelser, ny list og ny agtpågivenhed, brødet krævede pludselig sine eventyr.

Og børnenes øjne havde fået et sky og lurende udtryk, også øjnene hos de to brødre Kurt og Heinz, som allerede om morgenen var gået hen til en udfaldsvej, barfodede, kun med korte Manchesterbukser og skjorter på, den ene fjorten, den anden ni år gammel. De måtte ikke tigge, det var kun tilladt for blinde, og penge havde de ingen af. De russiske civilister havde næppe penge, og derfor gik de hen til en udfaldsvej, hvor de sorte markeder befandt sig. De satte sig i en grøft og ventede. Tavst betragtede de den nervøse trængsel og tænkte på deres mor, som havde sendt dem herhen, og på hendes plan, som dikterede dem at vente. De ventede på en sovjetisk militssoldat, hvis tilsynekomst altid udløste en panisk flugt, folk løb derfra til alle sider med deres kurve og kasser og bylter, snublende og faldende, og af og til tabte så en flygtende nogle sorte, klæge rugbrødsrundstykker ud af en kurv eller nogle kartofler eller muligvis endda et stykke røget flæsk. Deres plan bød dem at vente på, at militssoldaten dukkede op, men en silende regn begyndte at falde, og denne gang så det ud til, at militssoldaten havde andet at lave. Han kom ikke. Og Kurt rejste sig op fra den gamle spand, han havde siddet på, og sagde: ”Her kan vi vente længe, Heinzi. Jeg tror ikke, vi får noget ud af det. Han kommer ikke i dag.”

”Vi kan da prøve ved tønderne”, mente den lille. ”Vi kan da godt prøve dér en gang til. Nogle gange lader de noget ligge, og hvis vi finder det nu, er det godt. Hvad synes du, skal vi gå over til tønderne?”

”Nej”, sagde Kurt, ”det nytter ikke noget. Vi behøver ikke gå derhen begge to. Du kan gå alene over til tønderne, Heinzi, og hvis du finder noget, tager du det straks med hjem”.

”Hvorfor kan vi ikke gå derhen sammen”, spurgte den lille, ”hvor skal du hen?”

”Jeg går hen til banegården”, sagde Kurt, ”ovre ved tønderne er der for mange. Kom, nu går vi.”

Og de gik i tavshed tilbage ad gaden, og den lille havde en rusten cykelpumpe i hånden og stødte den for hvert skridt mod den våde stenbro; en lys, metallisk klikken akkompagnerede dem under den lavt hængende himmel, og de gik gennem døde gader og klatrede over sengestel og forkullede brædder, og ved et kryds sagde de farvel til hinanden. Heinzi gik over til tønderne, og hans bror slog ind på vejen til banegården; det regnede, men det var en varm regn.

Han trak sig op på jernbanedæmningens skråning ved hjælp af græsset, han gik langsomt og foroverbøjet videre mellem skinnerne; han vidste at han kun på den måde kunne nå perronen, for mod gaden var alt afspærret af militsen. Han så militssoldaterne sidde ved gadens rendesten, store bredskuldrede mænd med pudsede støvler og med løse maskinpistoler dinglende foran brystet, og drengen lagde sig mellem skinnerne, når de så derover, og pressede sit ansigt ned i de våde skærver. Han nåede uset frem til signalhuset, han havde passeret det farligste stykke og betragtede perronen. Så mærkede han, at der blev lagt en hånd på hans skulder og at nogen lo bagved ham. Han kendte den latter, han vidste straks, at han ikke var i fare, og da han langsomt vendte sig om, så han Fips. Fips var noget ældre end ham, han havde sko på og en tyk grøn trøje, og hans hår var blond og filtret og vådt af regnen, og han sagde leende: ”Dav, lille Kurt, så ses vi igen. Hvad laver du her?”

”Det kan du vel se”, sagde Kurt. ”Jeg tænkte, her var der noget at få.”

”Det er mit område,” sagde Fips. ”Her er jeg hjemme, her kender jeg hver en krog, min dreng. Men jeg siger dig, her er ikke noget at gøre. Hov, pas på, mongoleren har set os. Hvis de begynder at jage os, skal vi løbe tilbage, hen til de gamle lokomotiver. Mongoleren er flink nok, jeg kender ham, men man ved aldrig.” De kiggede opmærksomt over mod perronen, og da den mongolske soldat vendte om og gik tilbage, sagde Fips: ”Nej, min dreng, her er der ikke noget at gøre. På banegården får du ikke heldet med dig. Det er blevet noget skidt i den seneste tid. For mange der holder opsyn. Men jeg kender en mulighed, lille Kurt. Jeg ved noget, som vil overraske dig. Noget du aldrig har oplevet før.”

”Hvad mener du?”

”Der kommer et tog lige straks”, sagde Fips.

”Vi kan jo forsvinde inden.”

”Nej”, sagde Fips, ”netop ikke. Vi venter på toget. Jeg venter på det, og også dig. Du skal jo sørge for noget at spise, min dreng, ikke? Din gamle har da klart sendt dig afsted for at skaffe noget at spise. Og jeg kender en måde.”

”Jeg laver ikke indbrud nogen steder”, sagde Kurt, ”hvis du venter på toget for at lave indbrud i forplejningsvognen – jeg vil ikke være med til det, Fips. Det slipper vi ikke afsted med.”

”Det er der ingen der siger noget om. Der har slet ikke været tale om at lave indbrud. Togene har ikke mere nogen forplejningsvogne, og desuden var det farligt.”

”Hvad mener du så?”

”Noget andet”.

”Hvad da?”

”Jeg ved, min dreng, hvor der er æg, hvor der er brød og smør og skinke og alt, hvad du vil have. Men for at komme derhen må vi køre et stykke vej med toget.”

”Men vi har jo ingen billetter.”

”Nej”, sagde Fips, ”vi har ingen billetter. Men jeg siger dig, at ud af alle de russere, som kører med dette tog, er det heller ikke alle der har billet. Og vi gør det akkurat på samme måde. Og når vi har kørt et stykke vej, har vi alt, hvad vi skal bruge, og du kan tage det med hjem til din gamle.”

”Har du før været der, hvor det alt sammen findes?”

”Nej”, sagde Fips, ”Nej. Jeg har ikke været der endnu. Men en ven af mig har været der, og han kom hjem med rygsækken fuld.”

”Uden penge?”

”Uden penge. Med penge kan enhver jo komme frem.”

”Hvordan fik han så fat i alle de sager?”

”Tiggede, min dreng, langsomt og anstændigt tigget sammen.”

”Det er jo forbudt”, sagde Kurt.

”Selvfølgelig”, sagde Fips, ”er det forbudt. Men kun her, min dreng. Her må man ikke blive grebet i det. Men der hvor vi skal hen, er det tilladt at tigge. I Litauen må man gerne tigge.”

”Litauen?” Spurgte Kurt.

”Ja”, sagde Fips, ”Litauen. Du hørte rigtigt.”

”Men det er jo langt væk. Det er jo ret langt væk herfra, så kan vi jo slet ikke være hjemme til middag, Fips.”

”Med toget er det ikke så slemt. Med toget kan vi snart være tilbage igen.”

”Det går ikke”, sagde Kurt, ”jeg kan under ingen omstændigheder tage med. Jeg er nødt til at blive her, Fips.”

”Jamen hvorfor det?”

”På grund af min mor. Hun er syg. Hun kan ikke klare sig alene, og Heinzi er stadig for lille. Derfor er jeg nødt til at blive her, Fips.”

”Nej”, sagde Fips, ”netop derfor er du nødt til at tage med, min dreng. Netop fordi din gamle er syg, skal du tage med. Du får se, hvor hurtigt hun bliver rask igen, når du kommer hjem med de rigtige ting til hende.”

”Men så ved hun ikke, at jeg er borte. Jeg må først hjem og give hende besked.”

”Det går ikke”, sagde Fips, ”det har vi ikke tid til, toget kører lige straks, og det næste kommer først i morgen aften. Og i morgen aften kan vi for længst være tilbage. Se, der kommer toget!”

De løb rundt om signalhuset og så toget komme, de stod der parate til at springe, også lille Kurt, som var blevet grebet af forjættelsens pludselige sug, de så vurderende på toget der kom rullende, et ligegyldigt, tungt dyr, som skulle bringe dem til Litauen, til et land de aldrig havde set, som de ikke havde nogen forestilling om. Og da det sorte lokomotiv var kommet forbi, bukkede de sig næsten samtidig ned, nåede trinbrættet, balancerede over bufferne og klatrede op på en af waggonernes tag. Det var et buet tag overtrukket med tjærepap, og de satte sig midt på det; de var ikke de eneste, som befandt sig på taget, foruden dem krøb et gammelt ægtepar sammen, som på uforklarlig vis var nået derop, og bag dem lå en sovjetisk major, som pressede kroppen flad mod tjærepappet, for ikke at blive opdaget af militsen. Regnen ramte dem i ansigterne, og de satte sig med ryggen til køreretningen, slog kragerne op og gemte hænderne i lommerne. De to gamle sad stive og tavse som fugle ved siden af hinanden, ubevægelige, som om en hemmelig forventning, en gensidig forståelse holdt dem sammen og styrede deres ønsker. På andre waggoners tage sad der flere mennesker, mest børn; de vinkede frem og tilbage, når de genkendte hinanden, og råbte noget til hinanden, som gik tabt i modvinden.

Og så holdt toget i Wehlau, og da de kiggede ned fra taget, så de en ring af vagtposter, som omhyggeligt omgav toget, og nogle af militssoldaterne klatrede op på vogntagene og skubbede folk ned. Fips ventede, indtil der opstod trængsel blandt de arresterede på perronen, så gav han tegn til Kurt, og de sprang begge op på en sideperron og løb hen til et hegn og smed sig på jorden. De blev ikke liggende ret længe, deres sanser var skærpede af eventyret, og lidt efter opgav de deres skjul og trak sig gennem brændenælder og mælkebøtter langs hegnet, de krøb forsigtigt videre, indtil de var i højde med en midlertidig træbro, som toget måtte køre over og hvor det måtte sætte farten ned, og de satte sig ned på hug foran en brændestabel og iagttog roligt toget. De så, at militsen hentede nogle mennesker ned med magt, og at man drev dem sammen og førte dem væk, men de så også, at det kun var meget få, som militsen havde fået fat på; mange af dem, som de havde opdaget på tagene ved afrejsen, var forsvundet på hemmelighedsfuld vis. De havde gemt sig som de selv, og da toget kørte videre, da de sprang hen til toget og klatrede over bufferne op på vogntaget, så de mange af dem igen; nogle manglede, men mange af dem så de igen. Også de to gamle sad allerede deroppe, de krøb stille sammen ved siden af hinanden, som om intet var hændt.

Toget kørte mod øst; det holdt kun stille på få stationer, men der hvor det standsede, varede opholdet i længere tid; overalt hvor det holdt stille, ventede et antal militssoldater på det og klatrede op på tagene og undersøgte vognene oppe og nede, og hver gang blev nogle tilbage på vejen, de blev hængende i kontrollens stadigt strammere net.

Men drengene slap igennem, og de gamle og den sovjetiske major på deres tag slap også igennem, de sad på tjærepappet, og mørket vestfra fulgte toget. Da det blev mørkt, frøs de på taget, sulten martrede dem, for de havde intet spist hele dagen, men der var ingen, som kunne dele noget med dem. De kneb sig i armen for at holde sig vågne, rytmen, sulten og udmattelsen havde gjort dem trætte, men ingen kunne tillade sig at falde i søvn. Den der faldt i søvn var fortabt. Det så de med den russiske officer; de så, hvordan han kæmpede mod trætheden, hvordan han vendte og drejede sig og forsøgte at finde et holdepunkt, og så blev silhuetten af hans slappe krop mindre og mindre, umærkeligt, så de ikke anede, hvad der ville ske. Og pludselig bøjede manden sig til siden, og da de ville springe til for at hjælpe ham, var det allerede for sent: han røg ned fra vogntaget, brat, uhyggelig lydløst, og de tilbageblevne hørte ikke engang noget skrig. Fips trak sin grønne trøje af; den var blevet tung af regn, men den gav god læ mod vinden, og de rykkede tæt sammen og dækkede deres ben med trøjen. De tænkte begge to på Litauen, og Fips sagde: ”Vent bare, min dreng, når vi kommer dertil, ser det anderledes ud. Når vi først er i Litauen, så skinner solen, og det er varmt, og vi får alt, hvad vi skal bruge for at være lykkelige. Allerede i morgen, min dreng, i morgen, når vi kommer til Litauen…”

Litauen: En doven, tålmodig, tung flod: Njemen, enge og gamle skove, endeløse marker. Litauen: Brede, blussende ansigter, leende, mejning af hø, snaps og skinke, bjørneagtig godmodighed; bedstefar ved ovnen, flid og griskhed, eksport af æg, smør og fjerkræ… Litauen: En randstats tragedie.

… Ved solopgang holdt toget i Kowno, og drengene gled ned fra tjæretaget og sneg sig langs bagsiden af toget hen til udgangen; de nåede den uantastet og gik ud på banegårdspladsen. Det var en stor, dårligt brolagt banegårdsplads, men den havde sine græsplæner, og foran dem stod der lave hvidkalkede bænke, som de sovjetiske soldater sad på og røg eller sov. Alt var stille og fredeligt, solen skinnede og slikkede dem tørre og varmede dem. Langsomt slentrede de over pladsen, og så blev de opmærksomme på en gruppe mennesker, der havde forsamlet sig rundt om noget, der så ud til at ligge på jorden, og de gik tættere på og så den gamle kvinde, som havde siddet med dem oppe på taget, ligge på jorden; sulten og udmattelsen havde besejret hende, hun var brudt sammen, kort før målet havde hun måttet opgive det, måske få meter fra det første lille stykke brød. Hendes mand knælede fortvivlet ved siden af hende og talte uafbrudt til hende, men kvinden rørte sig ikke, og lidt efter kom der en militspatrulje og spurgte efter mandens dokumenter, og da han ikke ænsede militsens spørgsmål, hev de ham op at stå og førte ham med. Så kom to civilister til syne med en båre; de lagde den gamle kvinde op på båren og vaklede væk, men tilskuerne blev tavse stående, som om den gamle kvinde stadig lå for fødderne af dem.

Nu ville drengene gerne trække sig ud af gruppen, de tog hinanden i hånden og ville ud af gruppens midte, da Fips stødte ind i en militssoldat; det var en ældre, godmodig soldat, som gik med kasketten på skrå og havde små, lystige øjne, og han holdt Fips fast ved halsen med sine brede fingre og sagde: ”Hroldt! Hroldt. Hvorhen I vil springe, unge græshopper, hva´?”

”Vi bliver her ikke længe”, sagde Fips.

”Hvor?” sagde soldaten. ”Hvor I har dokumenter, papir, hva´? Hvor?”

”Mistet”, sagde Fips. ”Vi har mistet dokumenterne.”

”Åh”, sagde soldaten med forstilt sørgmodighed, ”åh, har mistet alt, mistet bedstemor, mistet papirer, alt er pssst, mistet alt. I komme med tog? Rigtigt?”

”Vi kom med toget allerede i går. Vi ville –”

”I går?” sagde soldaten, ”hvorfor du snyde, hva´? Hvorfor i går? Har jeg øjne. Har jeg set med øjne hvordan I springe af tog. I dag! I dag! Ikke i går. March! Til kommandantur!”

Han lod drengene gå forrest, og de gik over den dårligt brolagte banegårdsplads og slog ind på vejen til en bro. Soldaten opfordrede dem til at gå langsomt, han var en venlig, snakkesalig mand, og han sagde: ”I komme fra Tyskland, rigtigt? Jeg været i Breslau, i Frankfurt. Prima. Du været i Breslau? Mange pssst! Alle pssst”, og samtidig lavede han en bevægelse, som om han kastede noget bort.

”Jeg har været i Breslau”, sagde Fips.

”Har du”, sagde soldaten, glædeligt overrasket.

”Ja”, sagde Fips, ”men nu er vi kommet fra Königsberg.”

”Königsberg? Hvad siger du ikke. Jeg også i Königsberg har været. Mange pssst! Ak, det ikke godt. Fschistko bombarduiä. Alt pssst. Hvad I vil hrer?”

”Sult”, sagde Fips.

”Sult”, gentog soldaten, ”alt sult. Alle kommer hrer. Hvad jeg skal gøre? Tilbage, alle tilbage.”

De gik over broen, og Fips lod som om, han kiggede ned på vandet, og han bøjede sit hoved over mod lille Kurt og hvislede til ham: ”Hør her, efter broen suser vi afsted. Hold dig bag mig.”

Soldaten havde hørt ordene, men han havde ikke forstået dem, og derfor spurgte han mistroisk: ”Hvad du hrar sagt til ham? Hva´? Hvad du hrar sagt, hurtigt.”

”Jeg spurgte ham, om han var sulten”, Sagde Fips.

De krydsede broen, og ved enden af broen begyndte de uvilkårligt at gå hurtigere, så afstanden mellem dem pludselig blev større. ”Hrallo”, råbte soldaten, ”hvorfor I må rende sådan? Vi hrar tid, vi kommer straks til kommandanturen. Hroldt! Stoi!”

Han så, at drengene ikke rettede sig efter hans ordre, de hørte ikke efter ham og gik hurtigere og hurtigere, og så stødte Fips den lille i siden, og de begyndte begge at løbe, de flintrede afsted, mens soldaten råbte efter dem, over diget, de hørte ham skyde en gang, men de vidste, at han kun havde skudt op i luften og at der ikke var nogen fare for dem, for de kunne ikke mere se soldaten, da de vendte sig om, og da de nåede til lejrskurene, følte de sig i sikkerhed og gik ned til vandet. Løbeturen havde slået dem ud, og de satte sig på en kasse og hvilede tavse ud, og så sagde Kurt: ”Hvad skal vi nu gøre, Fips, jeg kan snart ikke mere.”

”Du skal ikke være bekymret, min dreng. Vi skal bare ud af byen. Når vi er ude af byen, bliver alt godt. Så er alle problemer pssst, tro mig.”

”Men hvordan kommer vi nu hjem?”

”Hjem?” Sagde Fips. ”Du er knap kommet og vil allerede hjem. Nu går det jo først rigtig løs. Vi skal da have noget ud af vores rejse.”

”Men hvordan kommer vi ud herfra”, spurgte Kurt ængsteligt.

”Der”, sagde Fips.

Han strakte hånden ud, og hans fingre pegede på en gammel sort floddamper, en hjuldamper, der lå til kajs. Damperen var stadig fortøjet, men drengene så, at alle forberedelserne til afsejling var i gang, kasser blev surret fast og store tønder rullet over landgangen, og på en pullert sad en mand, som skulle løsne fortøjningen.

”Der”, sagde Fips, ”den vil bringe os ud af byen. Det bliver endda helt hyggeligt. Det er længe siden, at jeg har sejlet med en damper.”

”Har du da penge?”

”Penge”, sagde Fips foragteligt, ”jeg har nøjagtig lige så mange penge som dig. Vi betaler usynligt, min dreng. Vi sniger os op bagfra og forsvinder bag sækkene og kasserne. Så får vi ikke brug for penge.”

”Og hvis de ser os?”

”Så må vi betale. Men kom nu.”

De gik dristigt hen til damperen, af uskyldig nysgerrighed, sådan så det ud, men da det forreste tov blev kastet og damperens agterende vendte mod kajen, sprang de ombord hurtigt efter hinanden, smed sig bagved sækkene, så de ikke kunne ses fra broen og iagttog, hvordan skovlhjulene æltede vandet og damperen langsomt drejede ind mod midten af floden.

Damperen sejlede med strømmen, den sejlede forbi oversvømmede enge, forbi vide, flade marker, forbi stråtækte ensomme gårde og tætte skove; på nogle af markerne var der mennesker som arbejdede, anstrengt bøjede, og når damperen sejlede forbi, rettede de sig op og så stumme over på den, uden at vinke.

Fips undersøgte sækkene for deres indhold, han snittede dem op for neden med lommekniven, holdt hånden under revnen og betragtede, hvordan en brun, glitrende masse løb ud. Det var sukker og de slikkede begærligt de søde korn op af deres hånd, tyggede knasende og fyldte deres lommer, efter de var blevet nogenlunde mætte. Fips tørrede sine klistrede hænder af i bukserne og lagde benene i skrædderstilling, og så lagde han en arm om lille Kurt, og begge sad de og så over mod bredden, som lydløst gled forbi.

”Så, min dreng”, sagde Fips, ”nu føler jeg mig meget bedre tilpas. Det var kun begyndelsen, min dreng. Du får se, Litauen kommer ikke til at skuffe os. Vent bare. Jeg tror, at vi snart kan gå på æggerov. Vi sejler et stykke videre, min dreng, jo længere, jo bedre. Vi skal ud på landet, for der er der mest at hente.”

”Og hvis damperen ikke mere holder stille?”

”Ikke holder stille?” sagde Fips.

”Ja”, sagde lille Kurt, ”jeg kan ikke svømme,”

”Så sejler vi bare med, så langt som sukkerforrådet rækker”, sagde Fips.

”Men på et tidspunkt må alle dampere lægge til. Før eller siden må de alle til kajs, min dreng. Også denne her kasse, det må du vide. Og så kommer vi også hjem, og din mor bliver helt sikkert rask, når du smider en flæskeside på hendes seng. Bare vent. Du bliver…” Han snakkede ikke videre, for han mærkede pludselig et hårdt slag på skulderen. Og før han kunne vende sig om, fik han et nyt slag i nakken og mod ribbenene, og han hørte også Kurt skrige op og vidste, at de var blevet opdaget. De lagde sig fladt ned mellem sækkene og skjulte hovedet under hænderne, for at beskytte det mod slagene, men matrosen hev dem op ved skjorten og trak dem ud fra deres skjul. Det var en ung, gnaven matros med sorte øjne og sort strithår. Han sagde ikke et ord til dem, han skubbede dem op ad opgangen til broen og overgav dem til kaptajnen. ”De sad bagved sækkene”, sagde han til kaptajnen.

Floddamperens kaptajn så dem grinende an; han var lille af en kaptajn at være, han havde en blå kasket på og varmt blåt uldtøj.

”Kan jeg gå?” spurgte matrosen.

”ja”, sagde kaptajnen, ”du kan gå, Jonas.”

Han ventede til matrosen var forsvundet, så så han på drengene igen og lo.

”Hr. kaptajn”, sagde Fips, ”vi står af ved næste holdt. Vi lover at stige af og ikke komme ombord igen. Vi kommer fra Königsberg, hr. kaptajn. Vi vil ud på landet til bønderne.”

”Det kan jeg forstå.”

”Den lille kan ikke svømme, hr. kaptajn,” smid os ikke i.”

”Hør her”, sagde kaptajnen, og hans stemme lød forandret og latteren forsvandt fra hans ansigt. ”Hør hvad jeg siger, drenge, I kan ikke komme med til næste station. Den næste station hedder Vilki, og der kommer militsen ombord, og I ved, hvad der venter jer, hvis militsen finder jer. I bliver spærret inde og sendt tilbage, og I har rejst forgæves. Jeg vil hjælpe jer. Men I må ikke fortælle til nogen, at jeg tog jer med.”

”Nej”, sagde Fips, ”nej, hr. kaptajn, jeg vil ikke fortælle nogen om det. Det vil den lille heller ikke, på æresord.”

”Hør her”, sagde kaptajnen, ”kort før Vilki kommer vi forbi en sandbanke, den er tæt på sejlrenden, der er ikke dybt, højst til knæene; jeg siger til, når vi er der. Så skal I springe. Det er bedst, at I stiller jer i agterenden og så springer udenbords af alle kræfter. Vær ikke bange, du lille, det skal nok gå, mange har gjort det før dig, nogle var endda endnu yngre. Og I må ikke sige et ord om det, heller ikke til den matros, som kom herhen med jer. Har I forstået mig?”

”Ja”, sagde Fips og Kurt som med en mund.

”Godt”, sagde kaptajnen, ”så bliv her på broen og vent, til jeg giver jer et tegn; I vil også selv få øje på sandbanken, når vandet bliver lyst og gult.; og tag endelig ikke til Vilki, drenge, der er der megen milits, og I ville stikke ud, og I ville blive snuppet. Sådan, og sæt jer så derhen og forhold jer roligt.”

Lige før sandbanken gav kaptajnen et hurtigt tegn, han løftede blot hånden en gang, og de forstod ham og gik forsigtigt hen i agterenden på damperen. Det var en lang sandbanke, de så selv, at der ikke kunne være særlig dybt, for vandet var gult og ikke blyfarvet som over sejlrenden. Fips sprang først, han satte af fra skibets kant, fløj med udbredte arme gennem luften og klaskede i vandet, mens lille Kurt tavst så til. Da han så, at Fips straks rejste sig op igen og at vandet knap nåede ham til knæene, sprang han også og landede lige så nemt.

Matrosen, som havde opdaget dem mellem sækkene, hørte deres kroppe plaske mod vandet og han kom hen til rælingen, og han så drengene le og langsomt vade ind mod bredden – han kunne ikke mere gøre dem noget.

De satte sig lykkelige og udmattede i græsset, og efter de havde hvilet sig lidt, rejste de sig op og så sig omkring. De var på en eng; i udkanten af engen lå der en enkelt gård, og bag den begyndte skoven, og Fips pegede på gården og sagde: ”Der, min dreng, nu går det løs! Vi skiftes til at spørge. Ved dette hus spørger jeg, ved det næste du. Enig?”

Lille Kurt nikkede, og de gik over den dugvåde eng, og da de var kommet hen til gården, begyndte en hund at gø.

Hunden lå ved pumpen, og de gik tøvende i en stor bue uden om pumpen, og standsede foran døren og bankede på. Det varede længe, inden de hørte skridt; en kvinde åbnede for dem og rystede på hovedet, uden at der var blevet sagt noget. Det nytter ikke noget, betød det, spar jer alle spørgsmål. Men Fips sagde: ”Jeg ville gerne spørge …”

”Du behøver ikke spørge”, sagde kvinden på tysk. ”Jeg har ingenting. Prøv et andet sted. Jeg har ikke noget, jeg kan give jer.”

”Kun et lille bitte stykke”, sagde Fips.

”Ikke nu”, sagde kvinden, ”Gå. Men ikke helt bort. Kom tilbage, når det er blevet mørkt. Bank så på det bagerste vindue. Og gå nu, jeg har ingenting.”

”I nat?” spurgte lille Kurt.

”Når det er blevet mørkt, lille ven, ja.”

Kvinden lukkede døren, og drengene slog ind på vejen ind i skoven. Det var en fugtig, blød vej, de gik på, den førte dem bort fra gården og parallelt med floden i en retning, hvor de fra damperen havde set flere gårde. De prøvede også hos beboerne på disse gårde, men over alt sagde man til dem: Gå. Men gå ikke bort. Kom tilbage, når det er blevet mørkt. Vi kan ikke give jer noget nu.

Drengene indprentede sig hvor gårdene lå og gik igen ned til floden. De gik tilbage til stedet, hvor de var landet, og de drak vand fra floden, og spiste lidt af det sukker, som de havde i lommerne, og så lagde de sig tæt op ad hinanden i græsset og faldt i søvn. De sov til aftenskumringen. De sov helt indtil floden opløste tågen, indtil nattefrosten kom og bed dem i de bare ben; så satte de sig begge to op, gned hænderne varme, strakte deres kroppe og spejdede efter lyset fra gården. Ubevægeligt, gult og småt lyste det imod dem, og de begav sig på vej.

Denne gang behøvede de ikke at vente. Da de stod i gården, blev døren åbnet, og de så de mørke omrids af kvinden og at hun vinkede ad dem. De var ventede, og man lod dem forstå, at der ikke skulle siges så meget; kvinden førte dem ind i et kammer og sagde: ”Snak ikke, børn, sæt jer ned og spis. Her er suppe,”

Og drengene satte sig ned og spiste af suppen, og da skålen var tom, kom kvinden med brød og magert flæsk; hun så til, mens drengene spiste, hun vågede mistroisk over, at ingen af dem puttede noget i lommerne. De måtte spise så meget de ville, men ikke tage noget med sig. ”I skal spise det hele op her”, sagde kvinden. ”I må ikke tage noget med jer. Undervejs bliver I fanget, og når de finder ud af, hvem der har givet jer flæsket, så er det ikke godt for jer og heller ikke for mig.”

Og drengene spiste og spiste, og da der ikke var mere på tallerkenerne, rejste de sig stønnende og vaklede hen til døren; der kom en følelse af ligegyldighed over dem. De ville straks lægge sig ned og sove ved siden af brønden, men kvinden skubbede dem på vej og sagde: ”Her må I ikke sove, drenge, så tæt på huset må I ikke blive. Gå ind i skoven, der er der varmere og blødere. Gå derind og læg jer under en busk, og lad ingen se jer her om dagen.”

Efter de havde takket, begav de sig ind i skoven, ledte efter et gunstigt sted og faldt om; de faldt straks i søvn, og den lille tyggede stadig under søvnen …

… Drengene sov til sent på morgenen; lyden af en forbikørende bil vækkede dem, og de gik i den retning, hvorfra lyden var trængt ind til dem, og fandt en landevej. De satte sig i grøftekanten, og lille Kurt sagde:

”Vi kan vente her, Fips. Vi kan blive siddende her, til der kommer en bil. Vi standser den og lader den tage os med et stykke vej. Måske til den næste landsby.”

”Nej”, Sagde Fips, ”nej, min dreng, vi skal ikke stoppe en bil. I bilerne sidder militsen. Jeg vil hellere komme langsommere, men sikrere frem. Desuden vil militsen heller ikke tage os med.”

”Hvad siger du til, Fips, hvis vi får noget i dag, i den næste landsby måske, så kunne vi tage hjem i aften. Vi beholder hemmeligt noget af brødet og tager hjem i aften.”

”Ikke på vilkår”, sagde Fips, ”hvis du vil, min dreng, kan du tage alene hjem. Jeg bliver her nogle dage endnu. Jeg er ikke kommet, bare for at spise mig mæt én gang. Du må udnytte mulighederne bedre, min dreng, ellers får du aldrig fat i noget. Din mor kan godt vente lidt.”

De løftede begge hovedet og så ned ad landevejen; de hørte lyden af en vogn og så mellem træerne en stor høvogn, der langsomt nærmede sig.

”Det er den rigtige”, sagde Fips hurtigt. ”Den lader vi tage os med. Langsom, men sikker, min dreng, og endda polstret. I bilerne sidder militsen.”

”Skal jeg standse den?” spurgte lille Kurt.

”Nej”, sagde Fips, ”vi standser den slet ikke. Vi klatrer simpelthen op bagi ved bjælken; det er der ikke nogen, der mærker. Lad den bare køre forbi.”

De lod vognen køre forbi; så sprang de op, løb nogle få skridt bagefter og trak sig op på læsset ved bjælken. Heroppe svajede det enormt, og de lod sig falde i det varme hø og lo lydløst til hinanden. Men pludselig skete der noget uventet: de så næsten samtidig, at løbet af en maskinpistol stak frem fra en fordybning i høet; de så den lille mørke åbning rettet imod sig og stak hænderne i vejret. Og så dukkede hovedet af en militssoldat op, og de blev forskrækkede ved at se, at det var den samme soldat, som de var stukket af fra på broen i Kowno. ”oj, oj, oj, hvor verden lille er, oj, oj, småfugle ikke har reder til at gemme sig. Alt pssst, alle gemmesteder pssst!”

Denne gang var soldaten mere påpasselig, og han bragte drengene til Veliouna, til et mindre kommandantur. De blev spærret inde i flere dage, men de blev godt behandlet, fik mad regelmæssigt, og om natten fik de et tæppe til at tage over sig. De blev seks dage i Veliouna, og i starten græd den lille en hel del, og Fips gav ham hver morgen noget af sin brødration, fordi man havde taget deres sukker fra dem ved en kropsvisitation. Og den syvende dag blev de forhørt og så bragt til grænsen af den samme soldat, som havde snuppet dem. Det var en solrig, fin formiddag, de tre fulgtes til grænsen. Svalerne fløj i buer højt oppe i det blå, og vejen var lang og ensformig og bød ikke på nogen afveksling. Så langt øjet rakte, var der kun vejen, forfærdelig monoton, ikke til at holde ud; ingen steder et knæk, en velkommen illusion: Ved endemålet. De gik i fire timer, og da soldaten ikke længere kunne holde det ud, råbte han: ”Stop! Hroldt! Alle hroldt! Så. Høre efter. Jeg nu tilbage. Jeg hjem. I: Grænse. I hele tiden gå på denne vej. Grænse to timer, kan også være fem timer. Jeg ved ikke. I ikke komme tilbage! Ellers pssst! Du og du. Begge to pssst! Forstået?”

”Og hvordan kommer vi til Königsberg?” spurgte Fips.

”Ligeud”, sagde militssoldaten, ”hele tiden, straks grænse, straks Königsberg.” Og han greb ned i sin lomme og fiskede et stort stykke brød op af den; han rakte lille Kurt brødet og sagde: ”Hrer, lille mand, hrar du brød. For sult. Løb, skynd jer! Afsted!”

Og drengene gik videre uden soldaten, de gik roligt, og når de en gang imellem vendte sig om, så de soldaten blive mindre og mindre på vejen, der flimrede i heden.

”Han gider ikke mere”, sagde Fips. ”Nå, vi sætter os henne bag birketræerne og venter. Der kan han knap få øje på os.”

”Skal vi da ikke til grænsen?”

”Til grænsen? For det første, min dreng, vil de ikke lade os komme over grænsen, og for det andet kunne de putte os i en lejr. Har du lyst til det?”

”Det har jeg i hvert fald ikke”, sagde Kurt, ”men jeg har sådan brug for et par sko, Fips. Jeg må have sko, det stikker så fordømt på stenene. Gør det ikke det på dig?”

”Ikke på mig”, sagde Fips, ”jeg har fået hård hud, siden matrosen tog mine sko, har jeg fået hård hud af at gå, en tyk skorpe, min dreng. Det må du også få dig. Intet går igennem hård hud.”

Pludselig tav han stille og skubbede Kurt ned i grøften; de hørte flere skudbyger fra en maskinpistol og også nogle skrig, og da de løftede hovederne op over skråningen, så de militssoldaten ligge på vejen, og ved siden af ham stod der nogle bevæbnede civilister. De bøjede sig over ham og tog hans maskinpistol, og så forsvandt de ind i skoven, og to af dem slæbte den døde militssoldat ind i noget buskads. Det var partisaner…

… I Passelautskinnes skov, hvor der i mere end to hundrede år ikke var blevet fældet træer, stødte drengene på en gruppe partisaner; partisanerne var godt bevæbnet, de havde alle en russisk maskinpistol, for de måtte, som de sagde, gå over til russiske våben, da de ikke længere fik ammunition til de tyske. Partisanerne talte næsten alle sammen tysk, og drengene fik mad og drikke af dem, og man gav dem også gode råd om, hvilke landsbyer de skulle tage til og hvilke de ikke skulle gå ind i, og de ville gerne være blevet lidt længere hos partisanerne. Men i morgengryet kom der en nervøs ung fyr hen til dem og sagde:

”I må forsvinde nu, drenge, vi er omringet.”

”Hele skoven?” spurgte Fips.

”Spørg ikke så meget. Og gud nåde jer, hvis I siger noget. I har set, hvad vi gør ved stikkere. Forsvind nu. Det er lige meget, hvor I går hen. De er over det hele. Hvis der bliver skyderi, så kast jer straks ned.”

”Eller vi klatrer op i et træ”, sagde Fips.

”Hvis de har blodhunde med, henter de jer ned som krager. Men I kan jo prøve. Afsted. Forsvind nu.”

Drengene sneg sig tøvende afsted, og pludselig råbte lille Kurt forsigtigt: ”Der, Fips!”

”Hvor?”

”Under grantræet.”

”Det er en ko”, sagde Fips. ”Den står bundet der, min dreng. Det er nok en bonde, der har gemt den her. Han er snu, hva´? Malker koen i skoven. Har altid mælk og skal ikke aflevere noget. Kom, vi klatrer op i det her grantræ.”

”Men hvis de kommer, Fips, finder de koen, og så –”

”Så”, sagde Fips, ”vil de ikke have øje for andet end koen. Vær blot rolig. Du er ingen god menneskekender, min dreng. De vil selvfølgelig være så optaget af koen, at de slet ikke vil undersøge træerne i nærheden.”

”Men …”

”Ikke noget men, lille Kurt, kom så. Du klatrer op først.”

De klatrede op i grantræet og lyttede åndeløse efter alle lyde, og lidt efter så de to militssoldater træde ind i lysningen; soldaterne havde ingen blodhunde med, men deres maskinpistoler hang løst ved deres arm, og drengene sad ubevægelige i toppen af grantræet. Soldaterne fandt koen, og de opdagede også stikkerens lig ved birketræet, men de opdagede ikke drengene og heller ikke partisanerne. De ”Grønne” var på mystisk vis forsvundet, der blev ikke noget skyderi, de blev ikke opstøvet, selv om militssoldaterne flere gange finkæmmede skovområdet, før de kørte væk i lastvogne.

Drengene kom først ned fra grantræet om aftenen; de vidste ikke, at alle soldaterne var kørt væk, og derfor blev de siddende og ventede. De kunne vente, det havde de lært i de dage, de allerede havde tilbragt her; umærkeligt havde de fået en anden tidsfornemmelse, tidsfornemmelsen i øst.

En aften kom de til en landsby. Det var en lille landsby, som kun bestod af nogle få stråtækte rønner, og den gjorde et fredeligt indtryk. Den åndede fyraften og ro, og drengene iagttog den på afstand, før de trådte ind blandt husene, men de så ikke et menneske; husene lå der som uddøde, lave, grå rønner, som trykkede sig mod jorden.

Lille Kurt sagde: ”De sover vel allerede alle sammen, Fips. Men de er gået tidligt i seng.”

”Det tror jeg ikke, min dreng.”

”Tror du, de alle sammen er døde?”

”Nej.”

”Hvad da? Måske har de gemt sig.”

De gik hen til et hus, og lille Kurt kastede et blik ind ad det forreste vindue, og i det samme sagde han: ”Se, Fips, der er ingenting inde i huset. Ingen stole, ingen seng, intet. Prøv og se! Her bor ikke nogen. Alle menneskene er taget væk. Måske gik det dem for dårligt her.”

”Eller for godt”, sagde Fips. ”Man har sikkert kørt dem et eller andet sted hen med lastvognene. Det vil jeg tro.”

De trådte ind i huset og undersøgte køkkenet og gulvet og skorstenen, men de kunne intet finde, som det ville kunne lønne sig at tage med sig; de fandt kun et stykke snor og en røgekrog. De gik ind i flere huse, men de var alle tomme og forladte, og Fips sagde:

”Det tjener intet formål, min dreng, her er der ikke noget at hente. Nu går vi hen til det større hus en gang til, og hvis det også er tomt, må vi videre til næste landsby.”

Men da de bankede på vinduet til det større hus, blev døren åbnet, og en gammel, venlig mand kom til syne på dørtærsklen; han bad dem komme indenfor og førte dem ind i et værelse, hvor der kun i det ene hjørne lå rester af tæpper og løvværk, øjensynligt som sovested.

”Jeg ville blot spørge, om De har et stykke brød”, sagde Fips. ”Men ikke til mig selv, jeg kan endnu holde det ud. Jeg spørger kun på grund af den lille her.”

Den gamle mand lo hjælpeløst og sagde: ”Hvad skal jeg da give jer, børn? Jeg har ingenting. Men min kone er gået ud. Måske kommer hun med et par svampe eller blåbær. Hvis I vil, så sæt jer roligt ned og vent.”

”Du er jo ikke herfra, bedstefar?” sagde Fips.

”Nej”, sagde den gamle mand. ”jeg er ikke herfra.”

”Du kommer fra Østpreussen, ikke sandt?”

”Ja”, sagde den gamle, ”fra Palmnicken. Gør I også det?”

”Nej, vi er fra Königsberg.”

”Fra Königsberg”, sagde den gamle glædestrålende, ”det siger I ikke, børn. Jeg har tjent i Königsberg. 1900. Ja, jeg kender Königsberg så godt. – Derfra kommer I altså.”

”Men vi har allerede været her i nogle uger, bedstefar. Sig mig nu: hvor er folkene i landsbyen henne? Er de alle flyttet væk?”

”Flyttet væk?” spurgte den gamle. ”I skulle bare vide, hvordan de kom væk. En af de Grønne fortalte os om det, en af partisanerne.”

”Blev de skudt?”

”Nej”, sagde den gamle, ”Herregud. Så nådig var man ikke imod dem. Det gik helt anderledes til: Det var en aften, og da blev der holdt en lille fest her i landsbyen, der blev danset og drukket, og alt var mægtig fornøjeligt. Og pludselig kom de Grønne ud af skoven, de var vel en fyrre mand. Og alle havde de deres geværer med sig, og de rensede deres geværer foran kroen og begyndte så også at danse og feste. De havde selvfølgelig opstillet nogle vagtposter, som skulle melde, hvis russerne kom, men vagtposterne lagde ikke mærke til, at partisanførerens bror sneg sig væk og forrådte dem alle sammen til russerne. Der blev et frygteligt skyderi her, og der blev dræbt toogtredive russere, men også mere end tyve Grønne. Og bagefter, da alle partisanerne var tilbage i skoven, kom militsen, og alle folk i landsbyen blev gennet op på lastvogne og kørt bort. Jeg ved ikke, hvor de blev kørt hen, men de kommer nok ikke tilbage. Nå, og nu sidder vi her, min kone og jeg; her bliver man i det mindste ladt i fred. En gang imellem kommer der en af de Grønne og ser til os, manden, som huset tilhører. Han har ikke noget imod, at vi er her, han siger altid: I kan roligt blive her, så længe I er her, har jeg håb om at komme tilbage. Men når først hele landsbyen er tom…” En kort banken på døren afbrød den gamle; hans kone kom ind med en konservesdåse fuld af blåbær, og efter hun havde set, at der var besøg, stillede hun dåsen hen foran drengene og sagde: ”Spis blot, børn. Jeg kan plukke nogle nye til os. Kom, du lille, begynd du.”

Men Fips sagde: ”Nej, nej. Den lille vil ikke have noget. Det var bare noget, jeg sagde før. Så, lille Kurt, nu pakker vi ud. Nu skal vi alle for en gangs skyld spise os rigtig mætte. Ræk mig flæsket, min dreng, og brødet. Og æggene kan vi også lige så godt lade blive her.”

Og de hentede alt det frem, som de havde, fra hemmelige lommer og skjulte poser, som de havde gemt under tøjet, og så opfordrede de de to gamle til at tage plads og tage for sig, og de spiste fornøjet og andægtigt, så meget som de kunne. De gamle havde ikke set flæsk i lang tid og heller ikke æg, og drengene bad dem om at spise det hele op.

”Nå”, sagde en gamle. ”hvad siger du så, mor? Havde du troet, at vi nogensinde ville få sådan noget at se i vores forladte landsby? Et rent under, virkelig. Et rent under i denne landsby.”

Efter måltidet blev de siddende på gulvet og udvekslede nyheder, eller det, de kaldte nyheder. De fortalte hinanden, at denne ikke var den eneste forladte landsby i Litauen, og at der kom flere og flere tyskere til dette land. De gik tiggende fra hus til hus, og hvor indbyggerne kunne hjælpe, der hjalp de; og hvor de vandrende opdagede et hus, der stod tomt, blev de der af og til og indrettede sig, og når snakken om det bredte sig, fulgte andre efter dem, og sådan opstod der mange steder små tyske fællesskaber. De blev ganske vist uafladeligt kontrolleret, men NKWD-officererne var mange steder undtagelsesvis venlige mod tyskerne. Og litauerne hjalp dem, hjalp, hvor de kunne, også når det var farligt for dem selv.

På markedsdage rejste tyskerne mange mil, for at se hinanden og give gode råd, og det nye land forandrede dem, uden at de var klar over det; de fik et andet blik og andre tanker, og alle fik de en ny følelse af tiden… tid, hvad er tiden i Østeuropa? At være stille og vente. Tåneglene vokser, bedstefaren dør, og sommeren synker om, og så tørrer efteråret fødderne af, og bagved skoven ligger vinteren allerede på lur.

En dag skiltes drengene fra hinanden, de gik fra hinanden uden den store afsked. Fips arbejdede hos en bonde, og den lille gik til skoven og hjalp til med at køre træ. Begge blev de registreret, begge havde nye dokumenter på sig og talte litauisk og russisk. De tjente til deres brød; de fik udbetalt rubler, og hver måned mødtes de, når der var marked og havde cigaretpapir og tobak med til hinanden, og de omfavnede hinanden og glædede sig.

Men så dukkede Fips pludselig ikke op mere, og selv om lille Kurt ventede til om aftenen, fik han ikke vennen at se, og så spurgte han nogle folk, om de vidste, hvor Fips var, og en mand fortalte ham, at Fips var blevet fundet i skoven, død. Ingen kunne finde nogen sår på ham, han havde ligget død i en lysning, måske, mente manden, var han blevet kvalt.

Da kørte lille Kurt alene hjem med sin hestevogn og tænkte på Fips; og pludselig, fordi han var alene, begyndte han at se tilbage; erindringen brændte i ham, og han tænkte på sin mor og på Heinzi, sin yngre bror. Han blev forskrækket over at konstatere, at han i mellemtiden var blevet næsten atten år gammel, og han grublede og grublede over, hvordan han skulle komme hjem.

Da der så om vinteren blev truffet forberedelser til at transportere alle tyskere ud af Litauen, lod den lille sig registrere, og hans litauiske venner bragte ham til toget, og det var en stor og rørende afsked, og en dag kom han til Vesten, og her traf han sin bror igen og fik at vide af ham, at moren ikke havde overlevet. Og han fik også optagelse og arbejde på et lærlingehjem.

Under arbejdet har han ikke tid til at tænke på Litauen. Men når han af og til vågner om natten, så dukker der pludselig enge og tætte, sammenfiltrede skove op for hans øjne, og han ser den gamle, sindige flod for sine fødder og hører en fjern musik. Og så mærker han noget i retning af længsel.

 

© Hoffmann und Campe, 2016 / Pernille Tønnesen, 2018

  • Country in which the text is set
    East Prussia
  • Featured locations
    Königsberg / Kaliningrad
    Lithuania

     

  • Bibliographic information
    Siegfried Lenz, Die Erzählungen Bd. I. 1948-1963, Hamburg: Hoffmann und Campe 2015, S. 190-210
  • Year of first publication
    1954
  • Place of first publication
    Hamburger Sonntagsblatt